Diese Webseite verwendet Cookies

Statistik-Cookies helfen Webseiten-Besitzern zu verstehen, wie Besucher mit Webseiten interagieren, indem Informationen anonym gesammelt und gemeldet werden.

Schützt vor Cross-Site-Request-Forgery Angriffen.

Speicherdauer: Dieses Cookie bleibt nur für die aktuelle Browsersitzung bestehen.

Speichert die aktuelle PHP-Session.

Speicherdauer: Dieses Cookie bleibt nur für die aktuelle Browsersitzung bestehen.

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben.

Datenschutz
 
Phase5 Logo

Die Schweizer Plattform für Gebäudetechnik

Abo
  • Suche
  • Linkedin
  • Themen
    • Kompetenzen
    • Heizung
    • Kälte/ Klima/ Lüftung
    • Sanitär
    • Gebäudeautomation
    • Energie/ Planung
  • Jobs
  • Branchenagenda
  • Mediadaten
  • Magazin
    • Abonnement
    • DIGITAL LESEN
    • Newsletter
  • Team & Kontakt

«Kein anderes Gewerk erfordert ein so breites Fachwissen»

Interview mit Olivier Steiger, Dozent für Gebäudeautomation an der HSLU

Die Gebäudeautomation führt zusammen
Die Gebäudeautomation führt zusammen, was Architektinnen, Ingenieure und Fachplaner geplant haben respektive der Auftraggeber bestellt hat. (Foto: iStock)

Olivier Steiger, Dozent für Gebäudeautomation und neuerdings auch Fachbuchautor, erklärt im Gespräch unter anderem, warum Gebäudeautomation wenig mit dem Spieltrieb der Bauherrschaft zu tun hat, sondern eigentlich eine betriebstechnische Notwendigkeit ist.


Interview: Manuel Fischer, René Mosbacher

Fotos: Marc Schoeffel


Was hat dich bewogen, ein Grundlagenbuch zur Gebäudeautomation (GA) zu schreiben?

Olivier Steiger: Aus meiner Sicht füllt dieses Buch eine wichtige Lücke, da es im deutschsprachigen Raum zwar Literatur zu ausgewählten Themen (z.B. Smart Home, einzelne Kommunikationsstandards wie BACnet) gibt, jedoch nicht zum Gesamtthema GA sowie zu hiesigen Planungsprozessen und normativen Grundlagen.

Wer Gebäudeautomation hört, denkt oft an Häuser mit viel komplizierter Elektronik, die eher den Spieltrieb der Bauherrschaften befriedigt als den Nutzenden etwas bringt. Ist das so?

Nein, Gebäudeautomation wird in erster Linie für betriebsnotwendige Aufgaben eingesetzt. Klar, in Smarthomes gibt es oft auch Spassiges wie Farbstimmungen bei der Beleuchtung, Sprachsteuerung oder Multiroom-Audio. Aber grundsätzlich sorgt die Gebäudeautomation vor allem für den zuverlässigen und energieeffizienten Betrieb des Gebäudes. Sie schafft ein behagliches Raumklima, schützt vor Legionellen im Warmwasser, verbessert die Sicherheit, versorgt uns mit angenehmem Licht und so weiter.

Wo und wann lohnt es sich, in Gebäudeautomation zu investieren?

Sicher immer dort, wo betriebsnotwendige Aufgaben mit üblichen Mitteln nicht wirtschaftlich, zuverlässig oder nutzergerecht erfüllt werden können. Das trifft häufig auf Zweckbauten und grössere Wohnbauten zu. Ihre oft umfangreiche und komplexe Gebäudetechnik lässt sich manuell kaum mehr vernünftig betreiben. Eine gute Automation senkt zudem die Betriebs- und die Lebenszykluskosten – und sie erhöht die Lebenserwartung des Gebäudes und seiner Anlagen. Auch wenn Ihnen ein behagliches Innenraumklima und ein gehobener Nutzerkomfort wichtig sind, sollten Sie eine Gebäudeautomation ins Auge fassen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Sie ältere Menschen oder solche mit besonderen Bedürfnissen im Wohnalltag unterstützen wollen, beispielsweise durch einfache Bedienkonzepte, Assistenzfunktionen oder Sturzerkennung.

Das braucht aber alles ziemlich viel Strom, oder?

Wie ein Forschungsprojekt der Hochschule Luzern zeigt, gehen 6 bis 12 % des jährlichen Stromverbrauchs einer üblichen Gebäudetechnik auf Kosten der Gebäudeautomation (GA). Dem stehen aber Einsparungen bei der gesamten Betriebsenergie gegenüber: Laut der Norm SIA 386.111 kann eine bedarfsgerechte und integrale Gebäudeautomation den Energiebedarf je nach Gebäudetyp um rund 10 bis 30 % reduzieren. Unter dem Strich ergibt sich also eine sehr positive Gesamtbilanz.

Wo liegen heute die grossen Hemmnisse bezüglich der GA?

Viele Bauherrschaften, Architekturschaffende und teilweise auch Gebäudetechnikplaner verstehen den realen Nutzen noch nicht, den eine gute Gebäudeautomation generiert. Manche empfinden sie gar als Bedrohung oder unnötige Spielerei. Was ich auch feststelle: Bei Projekten werden Gebäudeautomationsplaner – wenn überhaupt – häufig erst ab dem Vorprojekt in das Planungsteam integriert. So können sie bei strategischen Entscheidungen im Rahmen der gewerkeübergreifenden Planung kaum mitreden. Das führt dann immer wieder zu schlecht integrierten Systemen und treibt die Kosten in die Höhe.

Was müsste sich ändern, damit mehr in Gebäudeautomation investiert wird?

Sie soll als Investition in den wirtschaftlichen Betrieb und den Lebenszyklus eines Gebäudes verstanden werden und nicht als zusätzlichen Kostenfaktor. Hierfür müssen wir den Beteiligten klare und nachvollziehbare Argumente liefern, etwa bezüglich Betriebskosten und Energieeffizienz, aber auch zu Komfort, Gesundheit und Sicherheit. Projektseitig müssten die Gebäudeautomationsfachleute früher und mit klarerem Auftrag in die Planung eingebunden werden. Und sie müssten aufwand- oder wertbasiert honoriert werden. Herstellerseitig brauchen wir offene, zukunftssichere technische Konzepte, die Vertrauen schaffen und die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern vermindern. Ganz wichtig ist es zudem, die Akzeptanz bei den Nutzenden und den Betreibern zu verbessern. Das geht am besten, wenn wir einfach zu bedienende Systeme schaffen und für passende Schulungen sorgen.

 

Interviewpartner Olivier Steiger
Olivier Steiger

Sind in nächster Zeit umwälzende technische Neuerungen in der Gebäudeautomation zu erwarten?

Ein Trend ist sicher der zunehmende Einsatz drahtloser Kommunikation. Ein anderer sind die cloudbasierten Systeme. Gerade im Kommen sind fortgeschrittene Datenanalysemethoden und die künstliche Intelligenz. Beide können helfen, die Automatisierung genauer, individueller und selbstständiger zu machen. Mittelfristig sehe ich in den sogenannten Gebäudebetriebssystemen grosses Potenzial. Darunter versteht man zentrale Softwareplattformen, die verschiedene Hardware integrieren und auf standardisierte Weise zugänglich machen. Damit lässt sich also vermeiden, dass – wie heute üblich – für jede Anwendung eigene Hardwarekomponenten bereitgestellt werden müssen. Der Schwerpunkt der Gebäudeautomation wird sich also von der Hardware zur Software und zu den Funktionen verschieben.

Was haben die Bauherrschaften davon?

Mit Drahtlostechnik zum Beispiel können sie ihre Bestandsbauten kostengünstiger automatisieren. Zusammen mit den sinkenden Preisen für die Sensorik erlaubt es diese Technik zudem, immer mehr Daten zu erfassen, beispielsweise zu Komfort, Energieverbrauch oder Raumbelegung. Auf der einen Seite erleichtert ihnen das zu verstehen, wie ein Gebäude genutzt wird und es liefert Grundlagen für Betriebsoptimierungen und das Nachhaltigkeits-Reporting. Auf der anderen Seite wirft das auch Fragen zum Datenschutz auf. Cloud- und Edge-basierte Ansätze ermöglichen es, Gebäudeautomation zunehmend «as a service» bereitzustellen. Das kann die Investitionskosten verringern. Auch der Einsatz von Gebäudebetriebssystemen dürfte kostendämpfend wirken und obendrein die Flexibilität der Gebäudeautomation steigern.

Wie wird sich der Markt für Gebäudeautomation in den nächsten 10, 15 Jahren entwickeln?

Es wird sich zunehmend Technik durchsetzen, die auf dem Internet of Things basiert – kurz: IoT. Dies ermöglicht es, neue Anwendungen in die Gebäudeautomation zu integrieren. Zu denken wäre beispielsweise an das Tracking von Gegenständen oder Personen, an Wegleitsysteme in grossen Gebäuden oder die intelligente Reinigung. Generell dürften immer mehr bisher externe Systeme Teil der Gebäudeautomation werden. Dazu gehören etwa Sicherheitseinrichtungen, Konferenz- und Medientechnik sowie das Energiemanagement und damit verbunden auch die Eigenverbrauchsoptimierung und das Lademanagement für Elektrofahrzeuge.

Ich wäre auch nicht überrascht, wenn neben den etablierten Anbietern von Gebäudeautomation bald auch weltweit tätige IT-Unternehmen eine grössere Rolle spielen würden. Die Gebäude werden also rasant digitalisiert und die Nachfrage nach Gebäudeautomation wird stark zunehmen.

Haben wir denn genügend Fachleute, die das alles planen, installieren und betreiben können?

Nein, schon heute sind qualifizierte Fachkräfte für die Gebäudeautomation rar. Hier dürfte der neu eingeführte Beruf der Gebäudeinformatiker/in EFZ zwar etwas Entspannung bringen. Weiterhin fehlen werden aber Fachleute, die sowohl die Gebäudeautomation als auch die zu automatisierenden HLKSE-Anlagen in der nötigen Tiefe verstehen – es braucht also auch zusätzliche Ingenieure.

Welches Profil sollten solche Fachleute mitbringen?

Vermutlich erfordert kein anderes Gewerk ein so breites Fachwissen wie die Gebäudeautomation. Das reicht von der IKT über Steuer- und Regeltechnik, von der Programmierung bis hin zum eingehenden Verständnis der zu automatisierenden Gewerke und des Gebäudebetriebs. Gebäudeautomationsplaner haben vorzugsweise eine solide Ausbildung in HLKS oder Elektro und erwerben sich das nötige Wissen zur Informations- und Kommunikationstechnik sowie zur Mess-Steuer- und Regeltechnik im Job.

Beim Gebäudeautomationsunternehmer ist das umgekehrt: Er muss in Informatik, Kommunikationstechnik sowie Mess-, Steuer und Regeltechnik sattelfest sein, während er sich das HLKSE-Fachwissen im Job aneignen kann.

 

Zum Interviewpartner

Olivier Steiger hat an der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) Elektrotechnik studiert und auf dem Gebiet der digitalen Bildverarbeitung promoviert. Von 2005 bis 2015 war er als Wissenschaftler am Konzernforschungszentrum von ABB in Baden tätig. Seit 2016 ist er Professor am Institut für Gebäudetechnik und Energie (IGE) der Hochschule Luzern. Dort forscht und lehrt er auf den Gebieten der Gebäudeautomation und des Internets der Dinge (IoT).


Das Buch zum Thema

Olivier Steiger hat kürzlich ein Grundlagenbuch zur Gebäudeautomation veröffentlicht. Darin führt er behutsam und von Grund auf an die Materie heran, um sie schliesslich in seiner ganzen Breite auszurollen. Dabei schafft er es, auch IT-lastige Themen wie Vernetzung oder Bussysteme verständlich zu vermitteln. Wo sinnvoll und möglich helfen Grafiken und Bilder die Informationen im Text zu verdeutlichen und zu verdichten. Immer wieder werden Brücken zur Praxis geschlagen und so abstrakte Inhalte konkretisiert.

Olivier Steiger. Gebäudeautomation – effizient vernetzen.

Faktor Verlag, Zürich, 2026

Umfang: 288 Seiten

ISBN: 978-3-905711-88-2

  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn
  • E-mail

Impressum

Textquelle: Manuel Fischer, René Mosbacher

Bildquelle: Marc Schoeffel

Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5

Informationen

Weitere Artikel

Swissbau live: Die Aussteller berichten


Interviewpartner Olivier Steiger

«Kein anderes Gewerk erfordert ein so breites Fachwissen»


Round Table Gebäudetechnik 2024


Prof. Nora Dainton neue Leiterin ad interim


Strom zum Eigenverbrauch


Alle Artikel anzeigen
  • Forschung
  • Gebäudeautomation
  • HSLU

Veröffentlicht am: 04.02.2026

Übersicht

Phase5 Logo
Unsere weiteren Fachmagazine
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Newsletter