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Vom Rohr zur Systemlösung

Zwei Jahre nach der Uponor-Übernahme setzt GF konsequent auf Water and Flow Solutions: integrierte Systeme für Trinkwasser, Heizen und Kühlen. Mario Hegi, Geschäftsführer der Georg Fischer Rohrleitungssysteme (Schweiz) AG, erklärt die Strategie dahinter.


Text: Manuel Fischer, Fotos: Nadine Würsten


Die Übernahme von Uponor durch die Georg-Fischer-Gruppe liegt nun mehr als zwei Jahre zurück. Welche «vorläufige Bilanz» kann als Folge dieser Akquisition gezogen werden?

Mario Hegi: Wir haben die Integration von Uponor Schritt für Schritt umgesetzt und dabei die vorhandenen Synergien gezielt und konsequent genutzt – insbesondere im Hinblick auf die Markteinführung zentraler Produkte wie S-Press, Ecoflex und Smatrix sowie grundsätzlich für das gesamte Uponor-Portfolio.

Dabei konnten wir auf bestehende Strukturen, Marktkenntnisse und Vertriebskanäle aufbauen und diese optimal miteinander verknüpfen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war, dass wir die Stärken beider Seiten – die Innovationskraft und Produktqualität von Uponor sowie die etablierte Marktpräsenz und Kundennähe von GF – wirkungsvoll kombiniert haben.

Dadurch ist es uns gelungen, die Produkte nicht nur effizient im Schweizer Markt einzuführen, sondern sie auch dauerhaft im Markt zu etablieren. Gleichzeitig konnten wir unser bestehendes GF-Sortiment gezielt erweitern und sinnvoll ergänzen.

Gab die anhaltende Urbanisierung weltweit eigentlich den Ausschlag, dass der Konzern sich voll auf das Geschäft mit Rohrleitungssystemen von Flüssigkeiten und Gasen konzentriert?

Die Fokussierung war die Folge eines längeren strategischen Prozesses. Dieser hat ergeben, dass sich bestehende Wachstumschancen am effektivsten durch eine gezielte Anpassung des Unternehmensportfolios – und damit die Fokussierung auf Lösungen für Water and Flow Solutions in den Bereichen Industrie, Infrastruktur und Gebäude – nutzen lassen.

Mit der Übernahme von Uponor (heute: GF Building Flow Solutions) im November 2023 hat sich GF als einer der Anbieter im Bereich nachhaltiger Systeme für Water and Flow Solutions positioniert.

Im Fokus stehen hierbei Lösungen für anspruchsvolle industrielle Prozessanwendungen, nachhaltiges Trinkwassermanagement in Siedlungsgebieten (z. B. Druckregulierventile in Wasserverteilungsnetzen) sowie Energieeffizienz in Gebäuden.

Mit Uni Pipe und S-Press hat nun GF ein Presssystem für Trinkwasser sowie Flächenheizungs- und Kühlsysteme im Angebot. Welche Chancen bieten sich am Markt angesichts der Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten?

Mit Uni Pipe und S-Press verfügen wir heute über ein sehr vielseitiges System, das sowohl im Trinkwasserbereich als auch in Flächenheizungs- und Kühlsystemen eingesetzt werden kann.

Genau in dieser Bandbreite sehen wir grosse Marktchancen. Installateure und Planer profitieren davon, dass sie mit einem durchgängigen System unterschiedlichste Anwendungen abdecken können. Das reduziert Komplexität, erleichtert die Planung und sorgt für mehr Effizienz auf der Baustelle.

Press-Systeme sind beliebt bei den Installateuren und der Markt spielt. Was zeichnen GF-Produkte gegenüber der Konkurrenz aus?

Ein zentrales Merkmal unseres Systems ist die Abstimmung von Rohren, Fittings und Werkzeugen aufeinander. Das reduziert Fehlerquellen in der Installation und sorgt für eine verlässliche Verarbeitung auf der Baustelle.

Hinzu kommt die einfache und schnelle Installation. Die Systeme sind so konzipiert, dass sie auch unter realen Baustellenbedingungen effizient verarbeitet werden können. Das spart Zeit und reduziert den Installationsaufwand – ohne zusätzliche Komplexität im Arbeitsprozess.

Insgesamt liegt der Vorteil weniger in einem einzelnen Produktmerkmal als im Zusammenspiel aus Systemqualität, Anwendungssicherheit und Praxistauglichkeit.

Die Bandbreite an Verbindungsmethoden/-technologien im Hause GF ist erstaunlich. Stecken, Bördeln, Pressen. Hat jede dieser Methoden auch weiterhin ihre Berechtigung?

Ja – jede dieser Verbindungstechnologien hat auch weiterhin ihre klare Berechtigung, weil sie jeweils unterschiedliche Anforderungen im Markt und in der Anwendung abdeckt.

Stecksysteme spielen nach wie vor eine wichtige Rolle dort, wo einfache, schnelle, werkzeuglose und sichere Montage gefragt ist. Sie sind besonders attraktiv in Anwendungen, bei denen Geschwindigkeit und Einfachheit im Vordergrund stehen.

Bördelverbindungen haben sich in der Haustechnik insbesondere im klassischen Trinkwasserbereich als sehr zuverlässige Verbindungstechnik etabliert. Sie kommen vor allem dort zum Einsatz, wo höchste Anforderungen an Hygiene, Dichtheit und Betriebssicherheit gestellt werden.

Presssysteme haben sich hingegen im klassischen Installationsmarkt – insbesondere im Sanitär- und HLK-Bereich – stark durchgesetzt, weil sie Anforderungen an Montagegeschwindigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden. Sie sind heute der Standard in vielen Anwendungen im Gebäudetechnikbereich.

Es geht also nicht um ein «entweder oder», sondern um ein «je nach Einsatzbereich richtig gewählt».

Kurz gesagt: Alle drei Methoden haben ihre Berechtigung – entscheidend ist, dass sie gezielt dort eingesetzt werden, wo sie ihre jeweiligen Stärken am besten ausspielen können.

«Jede in der Branche angewandte Verbindungstechnologie – Stecken, Bördeln, Pressen – hat nach wie vor ihre klare Berechtigung.»

Gibt es länderspezifische Eigenheiten, weswegen sich beispielsweise die Verwendung von Multilayer-Rohren in Deutschland früher und tiefgreifender durchgesetzt hat als anderswo? An den Normen mag es nicht liegen – oder doch?

Normen und Regelwerke erklären nicht allein, warum sich Technologien in einzelnen Märkten unterschiedlich schnell durchsetzen. Entscheidend sind oft Marktstruktur, Traditionen im Handwerk und bestehende Installationsgewohnheiten.

In Märkten wie Deutschland hat sich das Multilayer-Rohr früh und breit etabliert, weil der Installationsmarkt stark system- und praxisorientiert ist. Installateure erkannten schnell die Vorteile: einfache Verarbeitung, geringes Gewicht, flexible Anwendung und die gute Kombinierbarkeit mit Presssystemen. Hinzu kommt eine hohe Offenheit für Systemlösungen im Neubau und in der Sanierung.

In anderen Ländern war die Ausgangslage anders. Dort dominieren teilweise bis heute traditionelle Kupfer- oder Chromstahlinstallationen – begünstigt durch gewachsene Handwerkskulturen, bestehende Lagerstrukturen im Grosshandel oder etablierte Ausschreibungspraktiken.

Entsprechend dauert es oft länger, bis neue Systeme breite Akzeptanz finden, selbst wenn sie normativ bereits zugelassen sind. Die Unterschiede liegen daher weniger in der Normung als in der jeweiligen Markt- und Anwendungskultur eines Landes.

Mario Hegi kennt die Eigenheiten der Ländermärkte genau. Nach seinen Erfahrungen erklären Normen und Regelwerke nicht allein, warum sich Technologien da und dort unterschiedlich schnell durchsetzen.

Bei welchen Anwendungen spielen Rotguss-Fittings nach wie vor eine wichtige Rolle?


Der Werkstoff Rotguss für Fittings und Armaturen spielt nach wie vor überall dort eine wichtige Rolle, wo hohe technische Anforderungen an Beständigkeit, Sicherheit und Langlebigkeit gestellt werden.

Ein klassischer Einsatzbereich ist die Trinkwasserinstallation, aber auch in sensiblen Gebäuden wie Spitälern, Hotels oder öffentlichen Bauten. Hier wird Rotguss häufig eingesetzt, weil das Material sehr korrosionsbeständig ist und sich über lange Zeit stabil im Kontakt mit Trinkwasser verhält.

Der Ausbau thermischer Netze ist hierzulande und in ganz Europa im Aufwind. Wie positioniert sich GF in diesem Geschäftsfeld?

GF bietet für thermische Netze verschiedene Rohrleitungssysteme für Wärme- und Kälteanwendungen an. Im Fokus stehen vorgedämmte Rohrsysteme wie Ecoflex für Wärme- und Kälteanwendungen sowie COOL-FIT für den gekühlten Medienbereich.

Ecoflex überzeugt insbesondere durch seine hohe Flexibilität. Das vorkonfektionierte Rohrsystem wird u. a. für Nah- und Fernwärmenetze sowie Hausanschlüsse eingesetzt. Gerade im urbanen Umfeld, bei Sanierungen oder komplexen Leitungsführungen ermöglicht es eine schnelle Installation, kürzere Bauzeiten und geringeren Koordinationsaufwand. Die werkseitige Dämmung sorgt zudem für hohe Energieeffizienz und geringe Wärmeverluste.

COOL-FIT wurde speziell für Kälteanwendungen entwickelt und bietet ein komplett vorisoliertes Kunststoff-Rohrleitungssystem für gekühlte Medien. Die Kombination aus Korrosionsfreiheit, hoher Betriebssicherheit und dauerhaft zuverlässiger Dämmleistung macht das System besonders interessant, weshalb das System u. a. in Rechenzentren, für industrielle Kühlprozesse und moderne Gebäudeklimatisierung eingesetzt wird.

In der Schweiz kommen beide Systeme bereits in zahlreichen Projekten zum Einsatz – von kommunalen Wärmeverbünden und Energieversorgern bis hin zu anspruchsvollen Gebäudetechniklösungen. Typische Anwendungen sind Hausanschlüsse, Verteilleitungen sowie Energie- und Kältenetze, bei denen eine wirtschaftliche und sichere Installation gefragt ist.

Was kann GF im Bereich des anlagetechnischen Brandschutzes anbieten?

Im Bereich des anlagetechnischen Brandschutzes bietet Georg Fischer AG vor allem Lösungen für den sicheren und zuverlässigen Transport von Löschwasser in Sprinkler- und Feuerlöschsystemen an. Der Fokus liegt dabei nicht auf den Anlagenteilen selbst (wie Sprinklerköpfen oder Steuerungen), sondern auf der Rohrleitungstechnik als kritischer Infrastruktur innerhalb des Systems.

Mit den eingelegten Sprinklerlösungen bietet Georg Fischer AG im Bereich des anlagetechnischen Brandschutzes eine spezifische Systemlösung für den Einbau von Sprinklerleitungen direkt in die Betonkonstruktion – also typischerweise in Decken oder Bodenaufbauten.

Der zentrale Ansatz ist dabei, dass die Rohrleitungen nicht mehr sichtbar unter der Decke geführt werden, sondern bereits in der Rohbauphase in die Betonstruktur integriert werden. Durch die eingelegte Installation entfällt ein grosser Teil der sichtbaren Rohrführung im Deckenbereich. Das ermöglicht niedrigere Raumhöhen oder mehr gestalterische Freiheit in der Architektur.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Effizienz auf der Baustelle. Die Systeme werden häufig vorgefertigt geliefert und können direkt in die Schalung bzw. Bewehrung eingebracht werden. Dadurch wird die Montagezeit auf der Baustelle reduziert und die Koordination zwischen Gewerken verbessert.

GF blickt auf eine wechselvolle Unternehmensgeschichte zurück. Wird der Konzern dieses Erbe – etwa mit der Eisenbibliothek – auch künftig pflegen?

Selbstverständlich. Die über 220-jährige Geschichte von GF belegt in eindrucksvoller Weise den Wandel, dem sich ein langfristig erfolgreiches Unternehmen im Industriesektor immer wieder unterziehen muss.

Der verantwortungsvolle Umgang mit der Geschichte ist Teil der unternehmerischen Verantwortung von GF, weshalb zum Beispiel die Eisenbibliothek einen wesentlichen Pfeiler der Aktivitäten darstellt.

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Impressum

Text: Manuel Fischer

Fotos: Nadine Würsten

Informationen

www.gfps.com

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Veröffentlicht am: 30.08.2026

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