Beim Bahnhof Bern entsteht ein neuer Zugang für die Reisenden. In naher Zukunft werden tagtäglich Zehntausende von Bahnreisenden diese neue Passage benutzen. Erwartungsgemäss wird dem Brandschutz in einem der zentralen Immobilienvorhaben im Stadtzentrum hohe Priorität eingeräumt.


Text: Manuel Fischer*; Red. Bearbeitung: Phase5


Wer viel mit der Bahn unterwegs ist und den Knotenpunkt Bern kennt, weiss es aus eigener Erfahrung: Die unterirdische Haupterschliessung zu den Perrons ist zu Stosszeiten voller Menschen. Aktuell treffen Bahnreisende auf den Bahnsteigen und in der Unterführung einige Baustellen an. Der Grund ist offensichtlich: Der Bahnhof Bern ist nach dem Zürcher Hauptbahnhof der zweitgrösste in der Schweiz. Und er wird noch grösser: Die Bahnunternehmen rechnen für das Jahr 2030 mit bis zu 375 000 Reisenden pro Tag. Deshalb haben Kanton und Stadt Bern zusammen mit ihnen das Projekt «Zukunft Bahnhof Bern» in Angriff genommen. Herzstück ist ein neuer Zugang zum Bahnhof, der den zu Spitzenzeiten stark beanspruchten Haupteingang entlasten soll. Über den Zugang im Erdgeschoss des neuen Bubenbergzentrums gelangen Reisende künftig in eine Unterführung, die zu den bestehenden Teilen des Bahnhofs und zu den Glei­sen führt. Voraussichtlich noch dieses Jahr sollen Läden, Gastronomiebetriebe und Büros ins neue Bubenbergzentrum einziehen.

Komplexes Bauwerk

Das komplexe Bauwerk heisst im SBB-Projektjargon «Ausbau Publikumsanlagen Bahnhof Bern (APBB)» und hat u.a. die Aufgabe, unzählige Menschen tagtäglich sicher passieren zu lassen; es muss deshalb höchsten Sicherheitsansprüchen genügen. Es versteht sich von selbst: Brandschutz ist bei diesem Projekt ein integraler Bestandteil der Bauwerksplanung und -ausführung. Das neue Bubenbergzentrum als Gebäude ist vertikal geschossweise in einzelne Brandabschnitte unterteilt (Anzahl Etagen 3. UG – 6.OG = 11 Vollgeschosse). Im Grundriss sind zudem Brandabschnitte zwischen den verschiedenen Nutzungseinheiten und Erschliessungskernen wie Treppenhäuser und technische Steigzonen zu erkennen.

Die Bauherrschaft definierte überdies zusätzliche Brandabschnitte im Erdgeschoss (EG) und im so genannten Mezzanin-Geschoss, die den neuen Durchgang zum bisherigen Bahnzugang ermöglichen. Angesichts der zu erwartenden hohen Passantenströme gelten auf den Dienstleistungsflächen im EG und im Mezzanin erhöhte Anforderungen an Fassaden, Schiebetüren und bei der Entrauchung.

Unterschiedliche Bauherrschaften

Thomas Pfäffli ist Projektleiter Technische Anlagen bei den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) benennt die Eigenheiten dieses nicht alltäglichen Projekts: «Besondere Anforderungen bestehen in der Koordination der verschiedenen Projektbeteiligten.» Beim APBB wirken die Division Infrastruktur als auch die Division Immobilien der SBB mit eigenständigen, ineinandergreifenden Bauvorhaben mit. Zusätzlich sind weitere Bauherren wie die Post, RBS und die Stadt Bern direkt in das Projekt eingebunden. Für die brandschutztechnische Koordination der Teilprojekte arbeiteten verschiedene Fachbereiche eng zusammen, darunter Architektur, Ingenieurbau, Brandschutz-Spezialisten sowie die SBB-Vertreter der Technischen Anlagen. Modellbasierte Brandfallsimulationen sind, so Pfäffli, durchgeführt worden, um die Wirkung der Brandschutzmassnahmen zu prüfen.

Widerstand gegen Feuer

Mit der fachmännischen und korrekten Dämmung der Lüftungs- und Leitungsdämmungen ist das spezialisierte Unternehmen ACI AG betraut worden. Für die Brandschutzdämmung der Lüftungskanäle aus Stahlblech fiel die Wahl auf das Produkt Conlit Ductboard von Flumroc (Produktvarianten: 30 LW, 60 LW und 90). Dazu sagt ACI-Co-Geschäftsführer Carlos de Andrade: «Durch den Einsatz nicht brennbarer Materialien wird die Brandausbreitung über Lüftungen wirksam verhindert. So bleiben die Flucht- und Rettungswege im Notfall funktionsfähig.» Dieses Plus an Sicherheit ist von Bedeutung auch angesichts der stark frequentierten Detailhandelsgeschäfte und der Gastrobetriebe, die im Bubenbergzentrum einziehen werden.

Bei der Erstellung des Brandschutzkonzepts legten die Planungsfachleute fest, wie lange die minimale Dauer des Feuerwiderstands der eingesetzten Materialien sein muss. Die Verwendung von Flumroc- Steinwolle ist bestens qualifiziert für den Brandschutz bei gleichzeitiger Wärmedämmung von Lüftungsleitungen. Für die Bekleidung der Entrauchungskanäle gelangten hingegen formstabile Calciumsilicatplatten eines anderen Herstellers zum Einsatz.

Das neue Bubenbergzentrum in Bern besteht aus zahlreichen ober- und unterirdischen Stockwerken. (Fotos: Flumroc AG, Martin Kuster)

Materialanlieferungen erfolgen nachts

Die ACI-Experten wissen um die hohe Verantwortung, die sie mit dieser anspruchsvollen Aufgabe schultern. «Die hohen gesetzliche Anforderungen an den Brandschutz dienen dem klaren Ziel, den Schutz von Menschen jederzeit zu gewährleisten», sagt de Andrade. Die Aufgabenstellung bot zudem einige Knackpunkte, die es an Ort und Stelle zu meistern galt. Aufgrund des laufenden Betriebs mussten einige brandschutztechnische Materialien nachts erfolgen. Formstabile Dämmungen an Tragwerken mussten unter Berücksichtigung der Erdbebensicherheit ausgeführt werden. Die Umsetzung aller Dämmmaterialien erfolgte strikt nach den geprüften Vorgaben und gemäss den Montageanleitungen der Hersteller.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die enge Abstimmung den verschiedenen Gewerken, um ein funktionierendes und qualitativ einwandfreies Gesamtresultat sicherzustellen. Die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft beurteilt der ACI-Geschäftsführer als konstruktiv und zielorientiert.

Technische Unterstützung durch Hersteller

In diesem Kontext weiss er die Vorteile des Schweizer Herstellers Flumroc mit dichtem Beraternetz zu schätzen. Ihre Mitarbeiter seien vom Technischen Verkaufsberater stets kompetent unterstützt worden, sagt de Andrade. «Denn jedes Bauvorhaben ist anders und erfordert individuelle Lösungen.» Der Berater habe Antworten geliefert etwa auf die Frage, wie ein Durchbruch genau gestaltet sein müsse, damit die Brandschutzvorschriften eingehalten würden. Ganz allgemein biete das Unternehmen praxistaugliche Anleitungen dafür, wie die Brandschutzsysteme verbaut werden müssten.

Neubau Bubenbergzentrum

Das Gebäude am Bubenbergplatz 10-12 wird seit März 2022 neu gebaut. Im Erdgeschoss des neuen Gebäudes entsteht der neue Bahnhofzugang «Bubenberg», der in die neue Personenunterführung führt und neben dem heute bestehenden Haupteingang zum wichtigsten Zugang des Bahnhofs Bern wird.

Das neue Bubenbergzentrum wird ein modernes Bürogebäude mit Retail- und Gastronomieflächen im 1. Obergeschoss sowie im Bereich des Bahnzuganges im Erd- und Untergeschoss. Die geplante Nutzung setzt sich neben dem Bahnzugang aus über 4’000 m² Bürofläche, rund 570 m² Verkaufs- und Gastronomiefläche sowie rund 358 m² Lagerfläche zusammen.

Der Baubeginn für das neue Bubenbergzentrum startete im Frühling 2022. Um den Bereich Schanzenstrasse und Bogenschützenstrasse während den Bauarbeiten von den Personenströmen zu entlasten, werden die Zufussgehenden in jeder Bauphase in einem gesicherten Tunnel durch das Gebäude geführt.

Auf der Bogenschützenstrasse hat die SBB eine Installationsplattform aufbauen lassen, die sowohl für die Bauarbeiten am Bubenbergzentrum, als auch für die Arbeiten zur Unterführung Mitte genutzt wird. 2025 soll das neue Gebäude fertiggestellt werden.Das Projekt kostet insgesamt rund 44 Millionen Franken. Rund 12 Millionen davon sind für den Bahnzugang, bezahlt von SBB-Infrastruktur. Die restlichen 32 Millionen Franken werden von SBB-Immobilien finanziert.

www.bubenbergzentrum.ch

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