Technischer Fortschritt bringt Chancen, aber auch Verantwortung. Das 25. SWKI-Forum zeigte, wie die Gebäudetechnik den Herausforderungen von heute begegnet, ohne die Probleme von morgen aus dem Blick zu verlieren.
Text: Nicole Urweider · Foto: HSLU
Was heute als technische Höchstleistung gilt, kann morgen zur Altlast werden. PFAS – die sogenannten «Ewigkeitschemikalien» – stehen sinnbildlich für dieses Spannungsfeld. Unter dem Motto «Zwischen Persistenz und Performance» stellte das 25. SWKI-Forum am 3. Juli an der Hochschule Luzern in Horw genau diese Frage ins Zentrum: Wie gelingt technische Innovation, ohne neue ökologische oder gesellschaftliche Hypotheken zu schaffen? Über 130 Fachpersonen, Studierende und Partner aus der Branche nutzten das Forum, um Antworten zu suchen.
Bereits zur Eröffnung spannte SWKI-Präsident Reto Vital den Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft. Technische Lösungen müssten nicht nur leistungsfähig sein, sondern auch langfristig verantwortbar bleiben. «Gute Technik entsteht nicht allein durch exzellente Ingenieurarbeit, sondern durch gute Kommunikation», brachte er die Verantwortung der Branche auf den Punkt.
Gelebte Verantwortung
Wie der SWKI diesen Anspruch im Vereinsalltag umsetzt, zeigte der Blick auf die laufende Weiterentwicklung des Vereins. Neben der Strategie 2030 und dem Ausbau der neuen Website rückte vor allem die Richtlinienarbeit in den Fokus. Der Delegierte Matthias Vogelsang stellte neue Richtlinienprojekte und aktuelle Publikationen vor. Praxisnah gab er Einblick in die neue Richtlinie SWKI RE200–02 zum hygienegerechten Betrieb von Verdunstungskühlanlagen. Sie unterstützt Planer dabei, den unsichtbaren Feind im Systemwasser, Legionellen, systematisch zu beurteilen und Risiken für Betreiber und Öffentlichkeit bereits in der Planungsphase zu minimieren.
Reto Vital dankte den zahlreichen Fachpersonen, die ihre Zeit ehrenamtlich in die Richtlinienarbeit investieren. «Dank dem SWKI kann ich jeden Tag etwas besser arbeiten», resümierte Reto Vital den Anspruch, den der Verein nicht nur mit seinen Richtlinien verfolgt. domotech-0426_high
Investition in morgen
Auch die Hochschule Luzern zeigte, wie sie Verantwortung in Bildung und Forschung konkret lebt. Prof. Adrian Altenburger informierte über die Entwicklung des Studiengangs Gebäudetechnik und Energie, stellte das Weiterbildungsangebot – etwa den neuen CAS Stadtklima – vor und appellierte an die Branche, junge Talente zu fördern und Lernende auszubilden.
Prof. Urs-Peter Menti präsentierte aktuelle Forschungsprojekte des Instituts für Gebäudetechnik und Energie: von der verlängerten Lebensdauer gebäudetechnischer Anlagen bis hin zu gekühlten Betten für heisse Sommernächte in Pflegeeinrichtungen. Forschung und Praxis greifen hier unmittelbar ineinander.
Der nächste Themenblock gehörte dem Nachwuchs. Den Auftakt machte die Verleihung des SWKI-Nachwuchspreises an Pascal Heiniger. Der angehende Gebäudetechnikingenieur überzeugte mit hervorragenden Studienleistungen. Anschliessend präsentierten Colin Huwiler und Thomas Lucente, Pascal Kälin, Jonas Weiss sowie Sandro Zehnder ihre Bachelor- und Masterarbeiten. Die vorgestellten Arbeiten spannten den Bogen von saisonalen Wasserstoffspeichern über die Auswirkungen der Energiewende auf Verteilnetze bis zur automatisierten HLKS-Platzbedarfsplanung auf Basis von BIM-Modellen sowie neuen Schutzkonzepten für Prosumer-Anlagen.
Technik weiter denken
In den drei Kurzreferaten wurde das Tagungsmotto konkret. Olivier Steiger zeigte, wie Gebäudeautomation durch künstliche Intelligenz, Internet of Things (IoT) und datenbasierte Anwendungen immer leistungsfähiger wird. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass mit neuen Möglichkeiten auch neue Verantwortlichkeiten entstehen – etwa bei Cybersicherheit und Datenschutz. Oder wie er es formulierte: «Das Salz ist in der Software.»
Hans Peter Füchslin lenkte den Blick auf die letzten Meter des Trinkwassers. Hochwertig aufbereitetes Trinkwasser verliere auf dem Weg durch die Hausinstallation nicht selten an Qualität. Legionellen und PFAS machten deutlich, dass Gesundheitsschutz bereits bei der Planung beginnt. Während bekannt ist, dass PFAS in verschiedenen Bauteilen von Gebäudeinstallationen vorkommen, ist noch unklar, ob daraus relevante Belastungen des Trinkwassers entstehen. Mit einer neuen risikobasierten Messkampagne will die Hochschule Luzern genau dieser Frage nachgehen.
Mit der neuen Norm SIA 384/4 «Klimakälteanlagen in Gebäuden» zeigte Michael Kriegers, wie auch das Kühlen zunehmend ganzheitlich gedacht werden muss. Die Norm schafft erstmals einen umfassenden Rahmen für Planung, Betrieb und Instandhaltung energieeffizienter Klimakälteanlagen und trägt der steigenden Bedeutung des Kühlens Rechnung. Dass sie weit mehr ist als eine kompakte Anleitung, kommentierte Reto Vital augenzwinkernd: «Wenn das der Schnelldurchlauf war, braucht es etwas Zeit, um das Ganze zu studieren.»
Beim Stehlunch zwischen den ausgestellten Diplomarbeiten wurde weiterdiskutiert, nachgefragt und vernetzt. Ein passender Abschluss für ein Forum, das einmal mehr zeigte: Wirkung entsteht dort, wo Innovation, Fachwissen und der offene Austausch zusammenfinden.
Liebe Vereinsmitglieder
Die Hitze bleibt, die Gletscher gehen. Also reisen wir schnell noch hin, um ihnen beim Sterben zuzusehen: Gletschertourismus als Abschiedsfeier mit CO₂-Fussabdruck. Zurück im aufgeheizten Bestandesbau wird es nicht weniger paradox: Die Nutzung schreit nach Kühlung, doch der Denkmalschutz sagt Nein. Ist die Gebäudemasse erst einmal warm, wird aus schützenswerter Substanz eine denkmalgeschützte Sauna.
Also wird improvisiert. Split-Klimageräte spriessen an den Fassaden wie Pilze nach dem Regen. Oder man greift zu Verdunstungskühlern aus dem Baumarkt, die bei unzureichender Hygiene schnell zu Biotopen werden. Hauptsache heute kühl; Kältemittel, Stromverbrauch und Abwärme sind Probleme für morgen.
Der Teufelskreis läuft perfekt: Wir bekämpfen die Folgen mit Lösungen, die neue Folgen schaffen und nennen das Nachhaltigkeit. Gebäudetechnik, Behörden und Architektur müssen endlich gemeinsam handeln. Denn in Silos lässt sich vieles lagern, aber die Zukunft sicher nicht.
Herzliche Grüsse, Reto Vital
Reto Vital, Präsident
Unsere Anlässe
CrossTalk Gebäudetechnik, 9. September 2026, Horw
Der Kurs «CrossTalk Gebäudetechnik» wurde als Joint Venture der Vereine
SWKI und swissgee entwickelt und richtet sich an Fachspezialisten aus den
Bereichen HLKS, Gebäudeautomation und Elektro.
SGPT meets GTK
10. November 2026, Baden
9. Schweizer Hygienetagung 2027
22. Januar 2027, Luzern
Aktuelle Richtlinien
Die folgende Richtlinie ist seit 1. August 2026 im SNV-Shop erhältlich:
SWKI RE200–02 Rückkühlung – Teil 2: Sicherstellung des hygienegerechten Betriebs von Verdunstungskühlanlagen
Interesse an der Mitarbeit Richtlinien?
Interessenten für Richtlinienarbeit können sich beim Sekretariat melden, es werden für aktuelle Themen, welche mit einer neuen Richtlinie starten, immer wieder Arbeitsgruppenmitglieder gesucht.
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Text: Nicole Urweider · Foto: HSLU
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