Sich ohne Unterlass weiterbilden, Neues aufnehmen und im Unterricht vermitteln. Dieses Motto passt gut zu Ivan Tomic. Der dipl. Gebäudetechniker HF mit Fokus HLKS bringt nun mit viel Elan als Dozent die neue digitalisierte Welt des Bauens einer neuen Generation näher.
Interview: Manuel Fischer, Fotos: Nicolas Zonvi
Der Slogan sagt viel aus über die Ausrichtung des Bildungsinstituts: «Bei uns sitzen die Handgriffe. Nicht die SchülerInnen!» Die Schweizerische Technische Fachschule Winterthur (STFW), seit 90 Jahren ein Begriff für die Ausbildung technischer Fachkräfte, verwebt Theorie und Praxis in hellen, lichtdurchfluteten Räumen.
An der STFW arbeiten nicht nur Lehrgangsleiter und Fachlehrer, sondern auch Lehrbeauftragte, die im Nebenjob junge Menschen unterrichten. Einer davon ist Ivan Tomic, ist 28 Jahre alt und arbeitet tagsüber als Projektleiter Lüftung und BIM-Spezialist. Abends und an Wochenenden steht er vor angehenden Technikern und bringt ihnen bei, was die Branche noch kaum so richtig verstanden hat: Dass Probleme auf der Baustelle dort gelöst werden sollten, wo sie entstehen – am Bildschirm, nicht vor Ort.
Ivan Tomic hat seine ersten Schritte in die Berufswelt aktiv gestaltet. Er erinnert sich an die Zukunftstage bei einem namhaften Gebäudetechnik-Planungsbüro in Winterthur. «Ich habe recherchiert und ich wusste: Das Thema Bau interessiert mich. Dieses Basteln, Visualisieren und Modellieren war für mich schon seit Kindheit ein Thema.» Ab dem dritten Oberstufen-Schuljahr begann er, sich aktiv zu bewerben und schnupperte u.a. bei der damaligen Schmid AG Luft Klima Kälte. Die Fachrichtung Lüftung kennenzulernen sei im Rückblick ein Glücksmoment gewesen. «Man hat viel Freiheit, sich gestalterisch auszuleben und Bauteile so zu formen, dass es passt», sagt Tomic. Die vierjährige Lehre absolvierte er bei der inzwischen unbenannten Schmid Hutter AG. Doch damit war noch lange nicht genug, wie wir im Interview erfahren.
Deine Weiterbildungsschritte waren eng getaktet. Nach dem Lehrabschluss folgte die Berufsmaturität. Bist du einfach neugierig nach Wissen?
Ivan Tomic: Definitiv. Und es ist auch ein Grundsatz von mir: Wir leben in der Schweiz und sind privilegiert, dass wir so viele Bildungswege haben. Die Bandbreite ist enorm. Es wäre schade, auf einem Wissensstand stehenzubleiben. Dieser innere Hunger treibt mich an; immer einen Schritt weitergehen, mich weiterbilden, Grenzen testen und sie auch überwinden.
Dann folgte ein Abstecher in eine andere Richtung; ein Bachelorstudium in Wirtschaftsinformatik. Wie kam es dazu?
Damals gab es in unserer Branche zu wenig attraktive Weiterbildungsangebote. Man konnte sich zwar weiterbilden und kannte die renommierten Hochschulen wie zum Beispiel die HSLU in Luzern. Doch mein Eindruck: Dort spezialisiert man sich im Endeffekt stark. Ich wollte aber nicht nur einen Bereich abdecken.
Eine weitere Überlegung war: Die ZHAW in Winterthur passt gut, weil ich arbeiten und nebenbei studieren kann. Das war immer das Ziel. Es wäre schwierig geworden, ständig nach Luzern pendeln zu müssen.
Ich wollte auch testen, ob das Branchenumfeld Banken oder Versicherungen etwas für mich wäre. Aber ich merkte schnell: Das ist nicht meins. Da fehlt mir … vielleicht dieser «Stahlgeruch».
Der Ausflug in eine andere Branchenwelt hat dir dennoch viel gebracht.
Was mir am meisten gebracht hat, ist die Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens, wie auch die Grundlagen des Programmierens kennenzulernen und anzuwenden. Das kann mir niemand mehr nehmen. Das hat mir sehr geholfen, auch für meine Ausbildung an der STFW.
Bald folgte die Rückkehr zum ehemaligen Lehrbetrieb und jetzigen Arbeitgeber. Ich nehme an, nun mit mehr Verantwortung?
Genau. Ich startete als Junior-Projektleiter, stieg aber schnell zum Senior auf. Ausserdem bin ich heute auch für die Lernenden im Betrieb zuständig. Ich arbeite dort in verschiedenen Funktionen, als Kalkulator, Projektleiter, 3D-/BIM-Modeler und betreue die IT-Schnittstellen. Ich brauche diese Bandbreite an Tätigkeiten. Ich muss wissen, womit sich ein Lernender beschäftigt, was im Engineering läuft, was in der Ausführung passiert und auch, was im Service los ist.
Was braucht es eigentlich für Voraussetzungen, um den Lehrgang zum diplomierten Gebäudetechniker HF erfolgreich zu meistern?
Für den Lehrgang braucht es idealerweise eine solide Grundausbildung im HLKS-Bereich. Vor allem muss man ehrlich sein mit der Zeit, die diese Weiterbildung braucht. Man darf das nicht unterschätzen.
Und grundsätzlich muss man offen sein für Neues und akzeptieren, dass man sich zunehmend in einer digitalen Welt bewegt.
Welche Betätigungsfelder sind typisch für einen diplomierten Gebäudetechniker?
Es gibt viele verschiedene attraktive Optionen: Man kann weiterhin als HLKS-Projektleiter arbeiten; andere schlagen den Weg ein in Richtung Gesamtbauleitung, wieder andere sind in der Rolle der Bauherrenvertretung aktiv.
Du überwindest auch deine ursprüngliche Spezialisierung und koordiniert und plant auch in anderen Gewerken mit. Darüber hinaus bewährt sich ein diplomierter Gebäudetechniker an Aufgaben, die zwischen Technik, Organisation und Kommunikation angesiedelt ist – eben nicht unähnlich eines Wirtschaftsinformatikers.
Du bist auch Berufsbildner mit eidg. Anerkennung. Was lernt man in einer solchen Fortbildung?
Es sind v.a. Softskills, die man sich aneignet. Das Zwischenmenschliche steht im Fokus.
Es geht primär nicht nur darum, ob die Resultate oder Zahlen stimmen oder nicht. Man muss auch verstehen, wie solche zustanden kommen und warum es einmal nicht gut herauskommt. Zwischendurch muss man auch einmal die Lernenden loben und bei Schwierigkeiten ermutigen.
Inzwischen ist Ivan Tomic zudem Lehrbeauftragter für den HF-Lehrgang Gebäudetechnikplaner mit Fokus HLKS für die Module Gebäudetechnik-Normen, CAD/BIM sowie koordiniertes Planen.
Ivan Tomic reflektiert die heutigen Kenntnisse der jungen Generation auf dem Bau. Einige Bau- oder Projektleiter ohne eigene Planungserfahrung hätten Mühe, einzuschätzen, wie viel Arbeit auch beim CAD-Zeichnen drinstecke und andere bekunden Mühe, Pläne richtig zu lesen. Früher hätte man auf dem Bau noch eine längere Zeitspanne zur Verfügung gehabt, um allfällige Fehler aus der Detailplanung zu entdecken und dann an Ort und Stelle auszubessern. Das funktioniere heute nicht mehr: «Es wird in aussergewöhnlich hohem Tempo gebaut. Die Zeit, um Probleme während des Bauens zu lösen, fehlt heute fast völlig. Deshalb sollte man sie vorher analysieren und lösen, nämlich in der Planungsphase.»
Und was gefällt dir am Unterrichten?
Ich habe hier an der STFW viel Spielraum, wie ich die Kurse entwickeln und gestalten darf. Man kann hier praxisorientiert unterrichten und sein Flair für ein Fach einbringen. Ausserdem ist es mir wichtig, individuell auf die Studierenden einzugehen und deren Wissensstand abzuholen. Da gibt es grosse Unterschiede: Einige sind gelernte Installateure und haben wenig bis keine Erfahrung im technischen Zeichnen. Aber deren Erfahrungen sind sehr wichtig, weil sie uns den Spiegel vorhalten, welche Vorgaben man am Bau mit welchen Kniffs umsetzen kann und welche gar nicht. Und bei der Aneignung von CAD-Zeichnungsprogrammen sind sie auffallend schnell.
Kannst du an einem Beispiel erläutern, wie du deine Erfahrung aus der Praxis ins Klassenzimmer einbringen konntest?
Wir hatten zum Beispiel letztes Jahr ein Dozentenmeeting. Ich war noch frisch im Team. Ich brachte den Vorschlag ein, BIM noch stärker praxisorientiert in den Unterricht einzubauen. Das Feedback war durchwegs positiv. Ich besorgte darauf Schülerlizenzen des Visualisierungs- und Zeichnungsprogramm Trimble Nova. Zuerst geht es ums Zeichnen lernen. Ich habe sie beispielsweise diesen Raum, indem wir sprechen, aufzeichnen lassen und überprüfte Geometrie, Masshaltigkeit, Struktur anhand eines Lasers.
So erfahren sie die Baukontrolle am Modell eins zu eins. Später im Unterricht kommen alle Koordinationsfragen mit BIM hinzu. Nach vier oder fünf Durchführungen dieses Ausbildungsmoduls wird das Arbeiten damit selbstverständlicher Teil der Ausbildung sein.
Offensichtlich fühlst du dich wohl in deiner Rolle.
Im Rückblick hat sich ein kleiner Kindheitstraum erfüllt. Als kleiner Junge habe ich mir oft gesagt, ich möchte Lehrer werden. Und jetzt stehe ich mehr als 20 Jahre später hier und darf dozieren.
Bildungsinstitut STFW – Schweizerische Technische Fachschule Winterthur
Dipl. GebäudetechnikerIn HF - Schwerpunkt HLKS
Vorkurs Mathematik
Kurstage: Mittwoch + Donnerstag (jeweils 8.10 bis 17.00 Uhr),
(s. Kursdaten auf der Website)
Dauer: 4 Tage
Lehrgang
· Kurstage: Mittwoch (jeweils 8.10 bis 16.40 Uhr) + Donnerstagabend (18.00 bis 21.50 Uhr)
· Dauer des Lehrgangs: 6 Semester
(Nächster Lehrgang geplant: 21. Okt. 2026 – 6. Okt. 2029)
Während der ersten drei Semester werden eine fundierte Allgemeinbildung und die technische Grundlagenbildung vermittelt. Die Vordiplomprüfung schliesst das Grundstudium ab. Die anschliessende fachspezifische Ausbildung dauert ebenfalls drei Semester. Der prozessorientierte Unterricht mit Übungen, Praktika und zwei Projektwochen vertieft das Studium und schliesst dieses mit der schriftlichen Diplomprüfung (5. & 6. Semester) und der praktischen Diplomarbeit (6. Semester) ab.
Mehr Details am Infoabend: www.stfw.ch/event
Erworbene Qualifikation & Karriere
Mit dem Lehrgang erwerben Studierende eine solide, breite Grundausbildung und vertiefen die Gebäudetechnik in den Bereichen HLKS und mit den Grundlagen der Elektroinstallation. Zusammen mit den neu erworbenen Kenntnissen der Projektierung und Planung sowie einem Einblick in betriebswirtschaftliche Aspekte sind Absolventen/innen bestens gerüstet, eine Position in Führung oder Fachkader in der HLKS-Branche zu übernehmen. Firmen in den Bereichen Gebäudetechnik, Planung und Facility Management schätzen Fachleute mit dieser breiten Qualifikation sehr.
Kontaktaufnahme
beratung@stfw.ch, Tel. 052 260 28 01
Standort STFW
Schlosstalstrasse 95 – 139
8408 Winterthur
Tel. 052 260 28 00
Impressum
Textquelle: Luca D'Alessandro
Bildquelle: Dominik Plüss
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
Informationen
Weitere Artikel
Veröffentlicht am:
