Mit rund 740 Teilnehmenden und rund 60 Ausstellern avancierte das jährlich stattfindende Fernwärme-Forum inzwischen zum absoluten Muss-Termin der Fernwärme- und Fernkältebranche der Schweiz. Dieses Mal erstmals in der neuen Festhalle in Bern.
Quelle: Thermische Netze Schweiz; Red. Bearbeitung: Manuel Fischer
Das Fernwärme-Forum kann sich über mangelnden Zuspruch wahrlich nicht beklagen. Mit der Durchführung vom vergangenen Donnerstag, 22. Januar 2026, wurde mit rund 740 Personen ein neuer Besucherrekord erreicht. Gemäss Andreas Hurni, dem Geschäftsführer von Thermische Netze Schweiz (TNS) und Eingangsreferenten stieg auch die Mitgliederzahl des Verbands neu auf 205. Das Thema «Fernwärme» ist in aller Munde, auch in der Politik. Dennoch müssen sich die Akteure in die politische Diskussion einbringen.
Hurni nannte das Entlastungspaket 27, das Gasverordnungs- sowie das Raumplanungsgesetz und zahlreiche Verordnungen des Bundesamtes für Energie, die aufs Geschäft mit den thermischen Netzen einen Einfluss haben. Zudem laufen Forschungsprojekte, die begleitet werden müssen. Gleichzeitig darf die Öffentlichkeitsarbeit nicht vernachlässigt werden. Zudem erschien das neue Planungshandbuch «Thermische Netze 2.0».
Dieses Jahr nahm die Vereinigung InfraWatt das Forum zum Anlass, besonders innovationsstarke Projekte im Bereich Thermische Netze auszuzeichnen, darunter der Seewasserverbund CoolCity in Zürich, ein lokales Netz in einer ländlichen Gemeinde im Waadtland basierend auf der Vernetzung dezentraler geothermischer Quellen und schliesslich die Energiezentrale Englisberg im Kanton Fribourg: Die projektführende Groupe-E setzt hier auf einen Phasenwechsel von CO2 als Trägermedium für den Transport der Wärme in die oberhalb des Schiffenensees gelegenen Energiezentrale mit den dort installierten Grosswärmepumpen.
Zum Einstieg in den Vortragsreigen vermittelte Pauline Lucas vom Dachverband Euroheat & Power einen Überblick zu den Dekarbonisierungs-Strategien bei der Fernwärme und Fernkälte als Säule eines CO2-neutralen Europas. Eine ihrer wichtigsten Aussagen: Setzt die Energiepolitik strategisch auf einen massiven Ausbau thermischer Netze, hat dies zur positiven Konsequenz, die Kosten der Dekarbonisierung im Komfortwärmebereich im Vergleich zu einem Szenario mit individuellen Lösungen zu senken. Die geschätzten Kosten für die energetischen Gebäudesanierungen allein in der EU-27 bis zur magischen Zielgerade 2050: ca. 2'000 Mrd. Euro.
Geld, Kommunikation, neue Quellen
Eindrucksvoll wenn sich eine Stadt einen massiven Umsetzungs- und Transformationsplan in Richtung Klimaneutralität zumutet. Michael Arnold der Stadtwerke München kennt den Preis der Gesamtinvestition – bis 2050 sind 9,5 Mrd. Euro zu verbauen, davon sind 3 Mrd. Euro aus der «Bundesförderung für effiziente Wärmenetze» zu erwarten. München kann sich insofern glücklich schätzen, dass sie weiter auf Geothermie als bereits intensiv genutzte Energiequelle zählen darf.
Weitere Aspekte rund um den massiven Ausbau thermischer Netze kamen an der Tagung zur Sprache. So sprachen Kommunikationsfachleute von Energie Wasser Bern zur Notwendigkeit eines kohärenten Kommunikationskonzeptes, welches die Bedürfnisse diverser Anspruchsgruppen integriert. Heike Worms von der Firma Polynomics sprach zur Berücksichtigung aller relevanten Kosten in eine passende Tarifordnung.
Überdies vermeldete Matthias Bendig vom Bundesamt für Energie (BFE) neue rechtliche Grundlagen mit direktem Einfluss (insbesondere Fördergelder) auf den künftigen Ausbau thermischer Netze. Ein weiteres Impulsreferat eröffnete Perspektiven zur Energiespeicherung in Kavernen und mit Sand.
Schliesslich gab es ein Tour-d’horizon zu den vielfältigen Möglichkeiten der Wärmeauskopplung beim Betrieb von Rechenzentren in Niedertemperaturnetze. Einer der Fazite: Technisch machbar – wirtschaftlich anspruchsvoll.
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Textquelle: Thermische Netze Schweiz
Bildquelle: Thermische Netze Schweiz
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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