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Trockenheit: mehr Regenwasser nutzen?

Regenwasser gelangt in der Schweiz heute oft noch ungenutzt in die Kanalisation. Es liesse sich aber auch sammeln und im Haushalt für verschiedene Anwendungen einsetzen.
Foto: AdobeStock (majivecka)

Im Frühling und Sommer 2026 fiel in der Schweiz deutlich weniger Niederschlag als im langjährigen Schnitt. Das war nicht zuletzt eine Herausforderung für die Wasserversorgung. Eine vermehrte Nutzung von Regenwasser im Haushalt trägt dazu bei, die Trinkwasserreserven zu schonen. Wie das funktioniert und wo es sinnvoll sein kann.


Text: Remo Bürgi
Redaktionelle Bearbeitung: Phase5


Die Schweiz erlebt bisher ein aussergewöhnlich trockenes Jahr. Insbesondere auf der Alpennordseite fielen die Niederschläge bereits seit Frühling tiefer aus als im langjährigen Durchschnitt, zudem verschärften Hitzewellen im Juni und Juli die Trockenheit. Als Folge riefen Dutzende Gemeinden die Bewohnerinnen und Bewohner zum Wassersparen auf, um die Trinkwasserversorgung nicht zu gefährden. Das ist man sich nicht gewohnt in der Schweiz, die gerne auch als «Wasserschloss Europas» bezeichnet wird und sich den Luxus leistet, alleine für das Spülen von Toiletten pro Person und Jahr 15 000 Liter bestes Trinkwasser zu verbrauchen – es gibt ja genug davon und sonderlich teuer ist es auch nicht. Ob das auch in Zukunft noch so funktioniert? Die aktuellen Klimaszenarien «CH2025» zeigen deutlich: Die Schweiz muss sich auf trockenere Sommer einstellen.

Verteilung als Problem

Wie genau sich eine lang andauernde Trockenheit auf die Wasserversorgung in der Schweiz auswirkt, erklärt Christos Bräunle, Leiter Kommunikation beim SVGW – dem Fachverband für Wasser, Gas und Wärme. Ihm zufolge liegt die Herausforderung nicht bei der Menge des verfügbaren Trinkwassers, sondern bei dessen Verteilung. In der Schweiz gebe es heute und auch in Zukunft genug Wasser. Aber: «Wenn es trocken ist, steigt der Wasserverbrauch», erklärt Bräunle. «Haushalte verbrauchen mehr Wasser für den Garten, vor allem aber erhöht sich der Bedarf in der Landwirtschaft.» Wirklich knapp wird das Wasser meist nur in Bergregionen, wo vor allem Quellwasser zur Verfügung steht. Im Rest des Landes, wo vielerorts auch Grundwasser genutzt werden kann, sind die Reserven eigentlich gross genug.

Die Infrastruktur hingegen – Leitungen, Reservoirs – ist nicht auf einen so hohen Spitzenbedarf ausgerichtet. «Schätzungsweise 90 Prozent der kommunalen Wasserversorgungen haben die Möglichkeit, bei Bedarf Trinkwasser von anderen Versorgungen zu beziehen», sagt Bräunle. «Bei den restlichen 10 Prozent fehlen die entsprechenden Verbindungsleitungen noch, sodass es lokal zu Knappheiten kommen kann.» Diese Gemeinden sind gefordert, in den nächsten Jahren ihre Wasserversorgung resilienter aufzustellen.

Gut für den Garten

Als Reaktion auf trockenere Sommer bietet es sich an, möglichst sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen, das hierzulande mehrheitlich aus Grund- und Quellwasser sowie zu einem geringeren Teil aus Oberflächengewässern stammt. Eine Option ist, das Trinkwasser bei gewissen Anwendungen durch Regenwasser zu ersetzen. In der Schweiz nutzt man dieses bisher meist «nur» für die Gartenbewässerung. Das ist durchaus sinnvoll, denn Pflanzen sind an Regenwasser gewöhnt und nicht an aufbereitetes Trinkwasser.

Vorteile im Betrieb

Der Einsatz von Regenwasser ist indes nicht auf den Garten beschränkt. Wie langjährige Studien belegen, lässt es sich gezielt auch im Haushalt verwenden, ohne dass dies aus hygienischer Sicht problematisch wäre. Im Fokus stehen dabei die Waschmaschine und die Toilettenspülung: Sie lassen sich mit Regenwasser ebenso gut betreiben wie mit Trinkwasser.

Tatsächlich ergeben sich durch den Einsatz von Regenwasser sogar bestimmte Vorteile, die das Trinkwasser nicht bieten kann. Das gilt insbesondere in Regionen, wo das Trinkwasser einen hohen Härtegrad aufweist. Dort muss bei Waschgängen mehr Waschmittel eingesetzt werden, was nicht nur zusätzliche Kosten verursacht, sondern sich auch negativ auf die Umwelt auswirkt. Regenwasser hingegen ist kalkfrei, sodass verhältnismässig wenig Waschmittel ausreicht.

Der tiefere Härtegrad von Regenwasser bietet auch beim Einsatz im WC gewisse Vorzüge. Ohne Kalk kann sich nämlich in der Toilettenschüssel kein sogenannter Urinstein auf der Höhe des Wasserspiegels bilden. So entfällt durch den Einsatz von weichem Regenwasser nicht nur das mühsame Reinigen dieser Ablagerung, sondern auch der Kauf der entsprechenden Putzmittel.

Das Schwammstadt-Konzept

Als «Schwammstadt» bezeichnet man den bewussten Umgang mit Niederschlägen bei der Gestaltung von Städten, Quartieren und Arealen. Das Ziel lautet dabei, das Regenwasser lokal zurückzuhalten, damit es versickern und verdunsten respektive gezielt genutzt werden kann. Mögliche Massnahmen dafür sind etwa das Einrichten von Retentionsflächen, das Entsiegeln von befestigten Oberflächen oder das Speichern von Regenwasser in Zisternen.

Weitere Informationen: www.sponge-city.info

Sammeln oder begrünen

Wie kommt man überhaupt zu ausreichend Regenwasser, um es im Haushalt zu verwenden? Üblicherweise dienen Dachflächen als wichtigstes «Sammelbecken», wobei sowohl Steil- wie auch Flachdächer infrage kommen. Ungeeignet sind lediglich ältere Bitumendächer, weil sie die Wasserqualität beeinträchtigen können, doch dieser Dachtyp ist eher selten. Bei Flachdächern ist zu klären, inwiefern sich Regenwassernutzung und Dachbegrünung kombinieren lassen. Beim Versickern auf einem begrünten Dach nimmt Regenwasser verschiedene Stoffe aus dem Substrat auf, wodurch es sich verfärbt – für den Einsatz in der Toilette oder der Waschmaschine ist das nicht erwünscht. Fachleute empfehlen deshalb, sich entweder für die Begrünung oder die Regenwassersammlung zu entscheiden, denn beides zusammen ist oft zu wenig effizient.

Geschützt speichern

Soll Regenwasser lediglich im Garten verwendet werden, reicht die Aufbewahrung in einem oberirdisch aufgestellten Fass. Für den Einsatz im Haushalt hingegen wird das Wasser vom Dach in eine Zisterne geleitet, die üblicherweise unterirdisch verbaut ist. Dies hat den Vorteil, dass sich das Regenwasser nicht zu stark erwärmt und vor Lichteinfall geschützt ist, sodass das Risiko der Algenbildung deutlich reduziert ist.

Von der Zisterne aus werden Toilette, Waschmaschine und Aussenhahn über ein separates Rohrsystem mit Regenwasser versorgt (siehe Grafik). Auf einen Anschluss dieser Geräte ans Trinkwassersystem zu verzichten, ist jedoch nicht ratsam – bleiben Niederschläge länger aus, ist die Reserve in der Zisterne irgendwann aufgebraucht. Entscheidend ist, dass die beiden Systeme voneinander getrennt sind und die Trinkwasserleitung nicht durch Regenwasser kontaminiert wird, denn dieses hat nicht dieselbe Qualität.

Verschiedene Kriterien

Ob eine Regenwassernutzung aus ökologischer Sicht sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Ausgangslage ab. Davon seien hier zwei zu unterscheiden:

  • Steht vor Ort ausreichend Trinkwasser aus einer hochwertigen Quelle zur Verfügung, kann man auf eine umfassende Regenwassernutzung verzichten. Auch in diesem Fall ist es aber wichtig, das Versickern von Regenwasser auf dem Grundstück zu erleichtern, etwa indem möglichst viele Oberflächen ohne Versiegelung geschaffen werden. So bleibt der Niederschlag lokal zurück und kann versickern, statt via Kanalisation abgeführt zu werden. Dies entlastet nicht nur die Infrastruktur bei starken Regenfällen, sondern sorgt auch für grössere lokale Wasserreserven in trockenen Zeiten und trägt zur Neubildung von Grundwasser bei.
  • Etwas anders ist die Ausgangslage, wenn für die Trinkwasserversorgung Grundwasser genutzt wird und wenn das Wasser aufwendig aufbereitet oder über weite Strecken transportiert werden muss. In solchen Situationen kann es ökologisch sinnvoll sein, mehr Regenwasser zu nutzen, um das Grundwasser zu schonen und andere Gewässer zu entlasten.

Beim SVGW sieht man trotz der diesjährigen Trockenheit keine Dringlichkeit, dass generell Regenwasser für die Toilettenspülung genutzt werden müsste. «Auch wenn es künftig öfters solche Trockenperioden gibt, hat es in der Schweiz genug Trinkwasser», sagt Bräunle. Allenfalls könne eine Regenwassernutzung dort sinnvoll sein, wo es keinen Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung gebe. «Für eine breite Nutzung von Regenwasser im Gebäude ist aus unserer Sicht das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gegeben.»

So funktioniert eine Regenwassernutzung: Das auf dem Dach gesammelte Wasser gelangt in einen unterirdischen Speicher. Über die Regenwasserzentrale im Keller und ein separates Rohrsystem (grün) kann das gespeicherte Regenwasser zu Toilette, Waschmaschine und Aussenhahn geführt werden.

Grafik: www.fbr.de

Abhängig von Anwendung

Klar ist: Wer Regenwasser nutzen möchte, muss zusätzliche Investitionen tätigen, vor allem in die Zisterne und das Leitungssystem. Ob sich das wirtschaftlich lohnt, hängt im Wesentlichen vom Trinkwasserpreis ab. Hierzulande obliegt es den Gemeinden, diese Preise auf Basis der Aufwände für Beschaffung, Aufbereitung und Verteilung des Trinkwassers festzulegen. Gemäss dem SVGW liegt der durchschnittliche Trinkwasserpreis bei rund 2 Franken pro 1000 Liter.

Demgegenüber hängen die Kosten für eine Regenwassernutzung vor allem davon ab, wie viele Anwendungen (Toilette, Waschmaschine, Gartenbewässerung) in welcher Anzahl versorgt werden können. Anders formuliert: Bei Liegenschaften mit vielen Haushalten lassen sich Anlagen üblicherweise innerhalb von einigen Jahren amortisieren, während es bei einem Einfamilienhaus meist mehr als 15 Jahre sind. Die Wirtschaftlichkeit hängt aber auch von der Qualität der Komponenten ab. Eine hochwertige Zisterne kann eine Lebensdauer von bis zu 100 Jahren haben, während die Rohre etwa 35 Jahre halten und die Pumpe etwa 15 Jahre. Grundsätzlich funktionieren Anlagen zur Regenwassernutzung mit wenig Technik und sind daher robust und wenig störungsanfällig.

Austausch mit Behörden

Gut zu wissen für Bauherrschaften und Planende: Während man bei einem Neubau die Regenwasserverwendung bereits früh im Projekt prüfen und allenfalls einplanen sollte, ist die Ausgangslage bei Bestandsbauten etwas komplexer. Dort ergibt eine umfassende Regenwassernutzung im Gebäude nur Sinn, wenn gleichzeitig die Haustechnik erneuert wird. Und: Bei grossen Projekten ist es ratsam, frühzeitig den Austausch mit den Behörden zu suchen.

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Text: Remo Bürgi
Redaktionelle Bearbeitung: Phase5

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Veröffentlicht am: 28.10.2026

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