Als Rauch Geschichte schrieb
Von der Ionisationskammer zum intelligenten Multisensormelder: Die Brandmeldetechnik entwickelte sich durch technologische Meilensteine und Schweizer Pioniergeist. Ihren Ursprung hat sie jedoch in einer Zufallsentdeckung.
Text: Manuel Fischer, Fotos: Siemens Schweiz AG
Siemens pflegt seine Unternehmensgeschichte und präsentierte an einem Fachmedienanlass im März zahlreiche Brandmelder früherer Generationen (F1, F2, F5, F5A, F6 [Schnittmodell], F716, DOT1151 [Schnittmodell]).
Blick zurück: Die Brandmeldetechnik hat in der Schweiz bereits eine respektable Tradition und lässt sich bis in die 1940er-Jahre zurückverfolgen. Walter Jaeger (1912–2005), ein ETH-Physiker, veröffentlichte einen Beitrag in einem Schweizer Fachmagazin unter dem Titel «Die Isolationskammer als Feuermelder». Ursprünglich wollte der ETH-Physiker Ionisationskammern entwickeln, die Giftgase erkennen konnten. Zu diesem Thema hatte Jaeger bereits ab Mitte der 1930er-Jahre in seinem Elternhaus in Maienfeld geforscht, ein privates Testlabor eingerichtet und erste Prototypen entwickelt. Anfänglich jedoch erfolglos, denn die Geräte reagierten kaum auf die Gase.
Der Legende nach war es Zigarettenrauch – Jaeger war starker Raucher –, der den entscheidenden Hinweis lieferte: Das Ionisationsprinzip reagierte auf Rauchpartikel wesentlich zuverlässiger als auf toxische Gase.
Seine deutschen Patentanmeldungen vom 2. Dezember 1936 «Einrichtung zur Anzeige von Veränderungen eines Gases oder Gasgemisches» und vom 9. Juni 1937 «Feuer- und Rauchmelder» legten den technischen Grundstein für die moderne automatische Brandfrüherkennung. Aus einem Zufall wurde eine Idee und aus der Idee wurde ein Produkt, das eine ganze Branche verändern sollte.
Mit Studienfreund Ernst Meili gründete Jaeger ein kleines Unternehmen, das seinen Firmensitz 1941 im ehemaligen Hotel Bristol in Bad Ragaz eingerichtet hatte. Das Startup kämpfte zu Beginn mit finanziellen Engpässen: die Entwicklung war teuer, der Markt noch unbekannt. Der finanzielle Befreiungsschlag gelang ab dem Jahr 1944 mit dem Einstieg der Elektrowatt AG, die dem jungen Unternehmen Cerberus GmbH genügend Kapital und Stabilität verschaffte.
Frühe Kontakte mit Siemens
Berührungspunkte von Cerberus mit der Firma Siemens gab es bereits sehr früh. Am 13. Dezember 1949 wurde ein Vertretungsvertrag unterzeichnet, welcher der Siemens & Halske AG das exklusive Vertriebsrecht für die Cerberus-Ionisationsbrandmelder in Deutschland einräumte.
Aus dieser ersten Vereinbarung entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die sich als sehr fruchtbar erwies: Siemens brachte sein internationales Vertriebsnetz und seine Marktstärke ein, während Cerberus die innovative Technologie der Brandfrüherkennung beisteuerte.
Siemens hat Sinn für Unternehmensgeschichte und zeigte anlässlich des Fachpresse-Meetings im März an seinem Sitz in Zug gleich mehrere Generationen von Brandmeldern. Die früheren Geräte basierten auf dem Ionisationsprinzip: Ionisationsmelder bestehen aus einer Kammer, deren Luft mit einer radioaktiven Substanz (meist Americium-241) ionisiert wird. Rauchpartikel bremsen die Ionen ab, was sich als Spannungsänderung bemerkbar macht.
Das Funktionsprinzip der optischen Streulicht-Brandmelder: Ein im Melder verbauter Mikroprozessor erlaubt die Auswertung von Streulicht und Temperatur mit dazu entwickelten Algorithmen.
Langsamer Siegeszug der optischen Melder
Benno Estermann, Mediensprecher bei Siemens Schweiz, beschreibt den langsamen Übergang von einer zur anderen Technologie: «Anfänglich waren die optischen Melder deutlich teurer als die Ionisationsmelder und waren auch noch nicht so ausgeklügelt. Für Spezialanwendungen, etwa zur Überwachung von Kabelkanälen, wo mit Schwelbränden und viel hellem Rauch gerechnet werden muss, hatten sie aber Vorteile.»
Mit den Fortschritten der Halbleitertechnik wurden die optischen Melder günstiger und auch vielseitiger anwendbar. Mit dem Einzug von Mikroprozessoren und der Möglichkeit, rechnerisch beispielsweise optische und thermische Sensoren zu kombinieren, wurde der Ionisationsmelder obsolet.
Von 1969 bis 1994 wurden Ionisationsmelder und optische Melder parallel verkauft, Ionisationsmelder waren für Erweiterungen von bestehenden Anlagen noch bis 1999 bestellbar.
Erst 1995 wurden mehr optische und optisch-thermische Kombimelder verkauft als Ionisationsmelder.
Impressum
Text: Manuel Fischer, Fotos: Siemens Schweiz AG
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
Informationen
Weitere Artikel
Veröffentlicht am:
