Aufgrund neuer Erkenntnisse und neuer Bedürfnisse beschäftigt sich ein Team mit der Revision der Richtlinie VA 103-01 Lüftungsanlagen für Parkhäuser für Mittel- und Grossgaragen.
Text: Alois Schälin, Obmann der Richtlinie; Red. Bearbeitung: Phase5
Für die häufig genutzte SWKI-Richtlinie VA103-01 «Lüftungsanlagen für Parkhäuser (Mittel- und Grossgaragen)» von 2017 wurde 2024 die Revision aus mehreren Gründen in Angriff genommen, u. a. folgenden:
- Die Suva hat die Grenzwerte angepasst.
- Die Aussenluftvorbelastung ist nicht mehr relevant.
- Der Fahrzeug-Mix ändert sich laufend und die Emissionen nehmen ab.
- Mit dem Programm HBEFA stehen neue Berechnungs-Grundlagen zur Verfügung.
- Die Abfuhr von Feuchte wird dominanter gegenüber Schadstoffen.
Neue Bedürfnisse bei Garagen treten auf, z. B. Anlieferungen, Fahrzeuglifte. - Von den Jahren nach 2017 stehen über 50 gesammelte FAQs zur Verfügung; auf dieser Basis sollen Unklarheiten verbessert werden.
Das Grundprinzip der einfachen Wiedererkennung einer Richtlinienüberarbeitung wird auch hier beibehalten, bei Aufnahme der neuen Erkenntnisse und der Präzisierung der Inhalte.
Neue Grenzwerte Suva
Der MAK-Wert (= Maximale Arbeitsplatzkonzentration, Mittelwert über 8 Stunden) für CO ist 2024 im Rahmen von europäisch vereinheitlichten Anpassungen neu von 30 ppm auf 20 ppm reduziert worden aufgrund neuer Erkenntnisse über die Entwicklung des Fötus bei schwangeren Frauen. Der Kurzzeitgrenzwert (KZGW = Mittelwert über 15 Minuten) ist von 60 ppm als «empfohlener» Wert auf 100 ppm als «verbindlicher» Wert erhöht worden. Der Auslegungswert CO für die Garagenlüftung von 100 ppm als Momentanwert wird beibehalten.
Aussenluftvorbelastung
In den letzten 30 Jahren ist vor allem dank der sukzessiv besseren Katalysatortechnik die Aussenluftvorbelastung praktisch vernachlässigbar geworden. Mussten früher bei stark belasteten Strassen 10 ppm CO hinzuaddiert werden, sind heute auch inmitten von Stadtzentren kaum Werte über 1 ppm messbar. Neu wird daher die Aussenluftvorbelastung weggelassen.
Grundlagen-Ermittlung
Wie schon bei der Erarbeitung der Richtlinie von 2017 werden sowohl neue Erkenntnisse eingearbeitet als auch Grundlagen-Untersuchungen durchgeführt, für welche der SWKI 2026 ein entsprechendes Budget gesprochen hat. Neu sind dies u. a.:
- Emissionsberechnungen durch die TU Graz
- Feuchte-Messungen in Garagen
- Ermittlung von aktuellen Ein- und Ausfahrtszahlen in Garagen (sogenannte Wagenbewegungen pro Stunde, WB/h)
- Simulations-Untersuchungen für natürliche Lüftung in Garagen
Fahrzeug-Mix und Emissionen
Während 2015 mit einem künftig zunehmenden Anteil von Diesel- und wenig E-Fahrzeugen gerechnet worden war, nimmt aktuell der Anteil von sowohl Benzin- als auch Diesel-Fahrzeugen ab und der Anteil von E-Fahrzeugen stark zu (BAFU). 2035 werden die Antriebsarten Benzin, Diesel und Elektro mit je ca. 1/3 etwa gleich häufig sein.
Emissionen Schadstoffe
Neu können nebst Benzin-Fahrzeugen auch die Emissionen von Diesel-Fahrzeugen bestimmt werden, sowohl für CO als auch für NOx, und für leichte und schwere Nutzfahrzeuge. Dies erlaubt auch zuverlässige Berechnungen für Anlieferungen.
Der Fokus der HBEFA-Berechnungen liegt im Innerorts- und Ausserortsverkehr inkl. Autobahnen, um die nationalen Gesamtemissionen zu ermitteln. Für Garagen müssen gesonderte Berechnungen für die früher ermittelten Garagen -Fahrtenprofile durchgeführt werden.
Die Schadstoffemissionen werden durch die Katalysatortechnik EURO-6 und EURO-7 sowie durch den steigenden Anteil Elektro-Autos abnehmen, jedoch wird dadurch einerseits der Feuchteeintrag durch nasse Fahrzeuge dominanter, und anderseits nimmt der Wärmeeintrag durch die E-Ladestationen zu.
Feuchte in Garagen
Schon heute werden meistens kombinierte Messfühler CO/NOx/Feuchte eingesetzt, die zur Steuerung der Lüftung in Abhängigkeit der Konzentrationen von CO und NOx sowie zum Feuchteentzug eingesetzt werden, solange die Aussenluft nicht mehr absolute Feuchte enthält. In den letzten 10 Jahren ist die dafür notwendige Mess- und Regeltechnik sehr viel günstiger und auch für kleine Garagen ökonomisch geworden.
Neu werden in geeigneten Garagen mit vorhandener moderner Mess- und Regeltechnik permanente Messungen durchgeführt, mit denen für ausgewählte Tage mit Regen oder Schneefall der Feuchtetransport in der Garage ermittelt wird.
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