120 Jahre Ups and Downs eines inhabergeführten Unternehmens. Steinemann macht sein Hauptgeschäft als Grosshändler für Baumaterialien, Arbeitsschutz-Utensilien. Garten- und Schneeräumungswerkzeuge – aber ist auch aktiv in der Fernwärme und der Desinfektion von Räumen.


Text & Fotos: Manuel Fischer; Red. Bearbeitung: Phase5


Das Unternehmen begann ursprünglich als Huf- und Wagenschmiede, danach wagte man sich an die Konstruktionsschlosserei; der Metallbau gehörte schon in frühen Jahren zum Wesenskern des Unternehmens. Später war Steinemann im Grossapparatebau aktiv; eine Zeitlang wurden grossvolumige Druckbehälter für die Gasindustrie hergestellt. Im Aufschwung der 50er- und 60er-Jahre, geprägt von billigen fossilen Brennstoffen, war dies die richtige Wahl.

Hansjürg Steinemann, in der 3. Generation, geboren 1946, sprach über die Unternehmensgeschichte auch aus Familienperspektive. Der Gründer und sein Grossvater, Georg Steinemann, hatte 5 Söhne, wovon nur einer überlebte. Dieser war offenbar ein geborenes Verkaufstalent und schuf in Kürze ein Netz von Wiederverkäufern, um die Produkte aus den Schmiedebetrieben abzusetzen. Vom Grossapparatebau verabschiedete man sich in den 1970er-Jahren. Die Schmiedeproduktion wurde ins Ausland verlagert. Bereits damals beschaffte das Unternehmen Material aus China.

Dynamik in der Nische

Manchmal steht das Unternehmens-Schiffchen zum richtigen Zeitpunkt im guten Wind. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie war das Tochterunternehmen Steinemann Disinfection zur Stelle mit ihrem Kaltnebel-Desinfektions-Verfahren. Eine speziell entwickelte Düse ermöglicht durch Erzeugung eines konstanten Luftstromwirbels die Zerstäubung des Desinfektionsmittels in einem Raum. In der Schweiz ist die Nachfrage wieder auf verhaltenes Niveau zurückgefallen. Hingegen bleibt die Technologie ein Exportschlager, da viele Labore und Krankenhäuser aus dem Ausland genau nach einem solchen Verfahren suchen.

Schliesslich sei noch die «Steinemann Fernwärme» erwähnt: Das Unternehmen hat jahrzehntelange Erfahrung im Bau von gelöteten oder geschweissten Plattenwärmetauscher (oder besser: Wärmeübertrager) samt Controller-Box als Kern von Fernwärme-Übergabestationen. Das Unternehmen nimmt auch regelmässig an der Tischmesse am Fernwärme-Forum in Bern teil. Das Umfeld ist stark im Wandel: Die Netzbetreiber streben den Aufbau von Niedertemperatur- und Niederdrucknetzen an, die Produzenten von Übergabestationen müssen sich den neuen Verhältnissen anpassen. Ausserdem haben die Stadtwerke die Tendenz, mit einem auserwählten Kreis von Komponentenherstellern zu geschäften. Mehr Wettbewerb wäre angesagt. Politisch tut sich in einigen Städten in dieser Hinsicht etwas. Das Unternehmen hat bereits reagiert auf die verschärfte Wettbewerbssituation und bringt neue und angepasste Geräte auf den Markt. Und so schloss Senior Hansjürg Steinemann seine Ansprache mit denselben Worten, wie er sie begonnen hatte: «Was bleiben soll, muss sich ändern. Und wir nehmen Herausforderungen an.»

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