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Neuste Technik auf altem Tragwerk

Das Marie-Colinet-Haus (2002 eröffnet) wies schon bald erhebliche Mängel auf: Statikprobleme und eine unzureichende Erdbebensicherheit machten wiederholt Eingriffe notwendig. 2017 fiel der Entscheid für eine Grundsanierung.

Im März 2026 schloss die Insel Gruppe die umfassende Sanierung des Marie-Colinet-Hauses ab. Hinter der bestehenden Primärstruktur entstand auf über 25 000 m² Nutzfläche praktisch ein neues Spital – mit modernen Klinikflächen, neuer Gebäudetechnik und einer leistungsstarken Photovoltaikanlage.


Text: Nina Schär, Fotos: Insel Gruppe


Mit der umfassenden Erneuerung verfolgt die Insel Gruppe das Ziel, eine zukunftsfähige, patientenorientierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Das Gebäude wurde zu einem funktionalen, modernen Spital mit hohen Ansprüchen an Qualität, Komfort und Effizienz weiterentwickelt. Gleichzeitig stärkt das Projekt den universitären Insel-Campus als Rückgrat der Spitzenmedizin in Bern und verbessert die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden.

Eine lange Vorgeschichte

Das Marie-Colinet-Haus wurde erst 2002 eröffnet – und wies schon bald erhebliche Mängel auf: Statikprobleme und eine unzureichende Erdbebensicherheit machten wiederholt Eingriffe notwendig und führten 2017 schliesslich zum Entscheid für eine umfassende Grundsanierung.

Nach der Auslagerung der Frauenklinik ins Theodor-Kocher-Haus im Jahr 2018 starteten die Bauarbeiten 2020. Bereits zu Beginn zeigte sich jedoch, dass die Sanierung anspruchsvoller werden würde als ursprünglich geplant. Erhebliche Baumängel, die teilweise erst während der laufenden Arbeiten sichtbar wurden, machten einen Rückbau bis auf die Primärstruktur notwendig. 2021 folgte ein temporärer Baustopp aufgrund eines Schimmelbefalls, verbunden mit einer Schadstoffsanierung und umfassenden Neuplanung. Die ursprünglich mit 100 Millionen kalkulierten Kosten beliefen sich schliesslich auf 230 Millionen Franken.

Der vollständige Rückbau eröffnete gleichzeitig die Möglichkeit, das Gebäude vollständig neu zu konzipieren und an heutige technische sowie betriebliche Anforderungen anzupassen. Dennoch entschied sich die Insel Gruppe bewusst für einen Erhalt der bestehenden Primärstruktur und gegen einen Ersatzneubau. Bis zu 300 Personen arbeiteten zeitweise gleichzeitig auf der Baustelle.

Das neue Technikgeschoss

Im Zuge der Modernisierung wurde das Marie-Colinet-Haus um ein zusätzliches Geschoss aufgestockt. Dieses schafft Platz für die Gebäudetechnik und bildet die technische Versorgungszentrale des Gebäudes. Zu den Anlagen zählen mehrere Lüftungs- und Klimaanlagen sowie die Kälteerzeugung mit Abwärmenutzung. Ergänzt werden diese durch die Wärmeversorgung sowie die elektrische Infrastruktur mit Transformatoren und Notstromversorgung.

Für eine energieeffiziente Kühlung wurden bereits während der Planungsphase bauphysikalische kritische Details – etwa Wärmebrücken und konstruktiv unsauber gelöste Anschlüsse – analysiert und optimiert. Diese Massnahmen schufen die Grundlage für eine funktionierende Gebäudehülle. Ein zentrales Element bildet dabei die vollständig erneuerte Gebäudehülle mit Fenstern in Dreifachverglasung. Sie verbessert die Wärmedämmung und reduziert gleichzeitig den solaren Wärmeeintrag deutlich. Die Wärmeversorgung ist auf eine Heizleistung von insgesamt 850 kW ausgelegt.

Die nicht öffenbaren Fenster verhindern unkontrollierte Lüftungsverluste und das Eindringen warmer Aussenluft. Zusammen mit der abgestimmten Lüftungs- und Klimatisierungstechnik entsteht so ein stabiles, energieoptimiertes Raumklima. Das Ergebnis ist ein deutlich reduzierter Kühlenergiebedarf bei gleichzeitig hohem thermischem Komfort – ein gelungenes Zusammenspiel von Gebäudehülle und moderner Gebäudetechnik.

Ein Minergie-Standard war aufgrund der Rahmenbedingungen des Bestandesgebäudes nicht realisierbar. Bereits bei der Ausschreibung wurden jedoch bauökologische Grundsätze in den Submissionsbedingungen verankert und bei der Planung berücksichtigt.

Für die Kühlung kommt eine Kältemaschine mit integrierter Abwärmenutzung zum Einsatz. Die Anlage erreicht eine Leistung von 750 kW.
Die installierten Lüftungs- und Klimaanlagen liefern insgesamt 168 000 m³/h Frischluft.
Blick in die Sanitärzentrale (Trinkkalt- und -warmwasserverteilung).

Vorbild Energie und Klima

Bis 2030 will der Bundesrat die Energieeffizienz innerhalb der Bundesverwaltung und in bundes- und kantonsnahen Unternehmen deutlich steigern. Die beteiligten Akteure planen und koordinieren einen Teil ihrer Massnahmen im Rahmen der Initiative Vorbild Energie und Klima. Ihr Aktionsplan umfasst 15 gemeinsame Massnahmen aus drei Aktionsbereichen (Management, Beschaffung und Betrieb) plus eine Reihe spezifischer Massnahmen, die jeder Akteur individuell festlegt.

Akteure dazu: der ETH-Bereich, die Flughafen Zürich AG, Genève Aéroport, die Post, PostAuto, PostFinance, RUAG MRO Holding AG, SBB, SIG, Skyguide, SRG, Suva, Swisscom, VBS und die zivile Bundesverwaltung.

www.vorbild-energie-klima.ch

Photovoltaik per Crowdfinanzierung

Auf dem Dach des Technikgeschosses erzeugen seit Ende Oktober 2025 insgesamt 582 Photovoltaikmodule erneuerbaren Strom für die Insel Gruppe. Das Besondere: Die Panels gehören 83 Solarinvestoren/-innen, die diese über die Crowdfinanzierungsplattform des Berner Solar-Startups Solarify erworben haben. Solarify übernimmt die Planung, den Betrieb und die Versicherung der Anlage. Den produzierten Strom verkauft das Unternehmen an die Insel Gruppe, die Panelbesitzer/-innen werden anteilsmässig am Erlös beteiligt.

Die Photovoltaikanlage produziert jährlich rund 250 MWh Strom. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Ziel der Insel Gruppe, bis 2030 jährlich 1600 MWh erneuerbaren Strom über Photovoltaikanlagen zu erzeugen. Mit dem Erreichen dieses Ziels könnten künftig rund drei Prozent des gesamten Strombedarfs gedeckt werden.

Der Name ist Programm

Bis September ziehen die Frauenklinik, die Neonatologie der Kinderklinik sowie die Augenklinik gestaffelt in das erneuerte Marie-Colinet-Haus ein. Namensgeberin des Gebäudes ist Marie Colinet (ca. 1560 bis ca. 1640). Sie war nicht nur eine innovative Geburtshelferin und Ärztin, sondern auch bekannt für ihre Erfindung, Metallsplitter im Auge mithilfe eines Magneten zu entfernen.

Sonne kühlt Sonne: Während die Klimatisierung im Sommer den Strombedarf erhöht, produziert die Photovoltaikanlage ihre höchsten Erträge und liefert erneuerbaren Strom bei akzentuiertem Bedarf.



Adis Lukac über Ziele und Herausforderungen

Lukac ist Gesamtprojektleiter des Marie-Colinet-Hauses bei der Insel Gruppe: «Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und Raumplanung waren ausschlaggebende Faktoren, weswegen sich die Insel Gruppe für eine umfassende Sanierung anstelle eines Neubaus entschied.»

Warum wurde der Entscheid für eine umfassende Sanierung innerhalb der bestehenden Gebäudehülle getroffen – und nicht für einen Neubau?
Adis Lukac: Die Insel Gruppe hat verschiedene Optionen geprüft, darunter auch einen Neubau mit deutlich höheren Kosten (300–390 Millionen Franken) und einer Bauzeit von bis zu zehn Jahren. Die Sanierung erwies sich als betriebswirtschaftlich und zeitlich optimale Lösung. Gleichzeitig konnten durch die Weiterverwendung der bestehenden Bausubstanz Ressourcen geschont und nachhaltige Aspekte berücksichtigt werden. Ein Neubau hätte zudem zusätzliche raumplanerische und baurechtliche Risiken mit sich gebracht.

Welche energetischen Ziele wurden für das Gebäude definiert?
Im Fokus der Instandsetzung standen primär die statisch-konstruktiven Anforderungen zur Sicherstellung der langfristigen Gebäudestabilität. Gleichzeitig wurden die energetischen Zielsetzungen konsequent im Sinne der Nachhaltigkeit mitgedacht. Ein zentraler strategischer Entscheid war der bewusste Verzicht auf einen Ersatzneubau zugunsten der Weiterverwendung der bestehenden Primärstruktur. Dadurch konnten die grauen Emissionen – also die in Baukonstruktion und Materialien gebundenen Treibhausgasemissionen – signifikant reduziert werden. Im Vergleich zu einem Neubau ergibt sich dadurch eine deutliche Einsparung über den gesamten Lebenszyklus.

Was waren die grössten Herausforderungen des Projekts und wie wurden diese gelöst?
Die grössten Herausforderungen lagen in den erheblichen und teilweise erst während der Bauarbeiten sichtbar gewordenen Baumängeln sowie in der komplexen Schadstoffsanierung. Diese machten einen Rückbau bis auf den Rohbau notwendig. Hinzu kamen organisatorische Herausforderungen durch den laufenden Spitalbetrieb und die temporäre Auslagerung der Frauenklinik. Gelöst wurden diese Herausforderungen durch eine umfassende Neuplanung, den Einsatz unabhängiger Fachgutachter sowie durch konsequente Qualitätskontrollen. Gleichzeitig ermöglichte der Rückbau, das Gebäude vollständig neu zu konzipieren und an heutige Anforderungen hinsichtlich Prozesse, Technik, Komfort und Nachhaltigkeit anzupassen.

«Der erfolgreiche Abschluss der Bauphase ist das Ergebnis einer engagierten Zusammenarbeit zwischen Auftraggeberin, Planern, Fachspezialist/-innen, Unternehmen und unseren Kliniken.»
Adis Lukac

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Impressum

Text: Nina Schär, Fotos: Insel Gruppe

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Veröffentlicht am: 06.10.2026

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