«Weiterbildung zahlt sich recht schnell aus»
Weiterbildung zahlt sich aus: Arbeitnehmende profitieren von besseren Karriere- und Lohnperspektiven, Unternehmen von höherer Qualität, Produktivität und Flexibilität. Ein Gespräch mit Daniel Stamm, Leiter Bildung bei suissetec.
Text : Manuel Fischer
Wie sieht es generell aus mit der Bereitschaft zur Weiterbildung in der Gebäudetechnik-Branche?
Daniel Stamm: Grundsätzlich steht während der Lehre das Erlangen des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses (EFZ) im Fokus. Durch den grossen Fachkräftebedarf sind danach die Löhne in der Gebäudetechnik angemessen hoch und die meisten jungen Leute wollen dann einfach mal Geld verdienen und sich eine Existenz aufbauen. Somit ist zu Beginn der beruflichen Laufbahn das Interesse der jungen Mitarbeitenden an Weiterbildung in der Regel noch nicht sehr ausgeprägt.
Weiss man etwas über die Quote der Weiterbildungswilligen auf der Basis der verschiedenen EFZ-Titel, die suissetec betreut?
Die Quote ist über die Berufe ungefähr gleich hoch, und die absoluten Zahlen korrelieren mit der Häufigkeit der Gewerke in unserer Branche. Es braucht immer alle, von frisch Ausgebildeten und jungen Talenten über erfahrene Fachkräfte und Spezialisten bis hin zum Geschäftsführer. Wo sich Perspektiven eröffnen, sind Berufsprüfungen und die höhere Fachprüfung ideale Voraussetzungen.
Was nennen die jungen Leute als Motivation, um eine Weiterbildung zu beginnen? Potenzial zur Übernahme des elterlichen Geschäfts? Wechsel in eine bessere Stellung im Unternehmen?
Nach einiger Zeit in der Branche suchen lernwillige Mitarbeitende von sich aus nach Wegen, wie sie sich weiterbilden können. Insbesondere Personen, welche noch keine Familie haben, überlegen sich, wie sie in ihrem Beruf Karriere machen können. Vielfach ist es aber auch die Firma, welche den ambitionierten Angestellten eine Weiterbildung zum einen vorschlägt und dann finanziell und/oder mit einem Teilpensum auch ermöglicht.
Bei der Berufsprüfung und der höheren Fachprüfung kommt die Befähigung dazu, Personal zu führen, ganzheitlich sicherer zu werden oder gar sich selbstständig zu machen und ein Geschäft zu leiten. Am Schluss ist auch der Berufsstolz nicht zu vergessen. Eine bestandene eidgenössische Prüfung ist ein Leistungsausweis – für sich selbst und indirekt natürlich auch für den Arbeitgeber.
Gibt es verlässliche Angaben aus der Branche, dass sich die höhere Berufsbildung auch im Lohn niederschlägt?
Grundsätzlich steigert man seine Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt mit jeder Weiterbildung. In der Regel schlägt sich dies auch beim Lohn nieder. Aufgrund der hohen Nachfrage nach guten Fachkräften und der Gewissheit, dass die Gebäudetechnik trotz KI-Lösungen nicht auf diese verzichten kann, bin ich überzeugt, dass sich jede Weiterbildung lohnt.
Die Branche hat generell volle Auftragsbücher (sowohl Planungsbüros als auch Installationsbetriebe). Das mag viele Unternehmen hemmen, ihre Mitarbeitenden in Weiterbildungen zu schicken. Mit welchen Argumenten ermuntert man sie, dennoch Personal freizustellen für die Weiterbildung?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Weiterbildungen der Belegschaft als Investment für die Firma zu verstehen sind. Auch eine neue Maschine kostet anfänglich viel Geld, zahlt sich aber in der Zukunft meistens aus. Dies gilt gleichermassen auch für Mitarbeitende: Zuerst fördert man sie, danach gibt es einen «return on investment» in Form von erweitertem Fachwissen und Motivation. Perspektiven und eine hohe Zufriedenheit sind zentral, um gute Mitarbeitende langfristig ans Unternehmen zu binden.
Sind kurze, zielgerichtete Weiterbildungen (wie Kurse/Seminare) geeignet, einen Teil der Belegschaft oder Einzelne dennoch für einzelne Skills zu schulen?
Selbstverständlich sind sie dazu geeignet und sie konkurrenzieren das Ziel, Polier oder sogar Meister zu werden, in keiner Weise. Kurse und spezifische Weiterbildungen sind häufig technischer und fachlicher Natur und ermächtigen die Fachleute, am Puls der Zeit zu bleiben und die alltäglichen Anforderungen im Unternehmen noch besser zu meistern.
Was tun, damit die Nachfrage nach kurzen, zielgerichteten Weiterbildungen erhalten bleibt oder sich noch steigern lässt?
suissetec bietet eine ganze Palette aktueller Weiterbildungen an, sei es in den angestammten Fachbereichen der Gebäudetechnik, aber auch darüber hinaus, zum Beispiel für das Übernehmen von mehr Verantwortung innerhalb des Betriebs. Das geht von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bis hin zum Umgang mit Lernenden, beispielsweise in unseren Praxisbildnerkursen; diese erfreuen sich einer grossen Beliebtheit und helfen bei der optimalen Betreuung und bei der Qualitätssicherung während der Lehre.
Wir kommunizieren auf nationaler Ebene dieses Angebot, sind aber natürlich darauf angewiesen, dass die Sektionen und die Mitgliedsfirmen ebenfalls darauf hinweisen und ihre Mitarbeitenden zur Teilnahme ermuntern. Zudem können Praxisbildnerkurse auch vor Ort gebucht werden, das heisst mit Durchführung im jeweiligen Unternehmen bzw. bei der Sektion.
Veröffentlicht am:
