Die am Fraunhofer ISE entwickelte Druckdestillationskolonne
Die am Fraunhofer ISE entwickelte Druckdestillationskolonne reduziert den Energiebedarf, die Anlagenkomplexität und die Investitionskosten für die Herstellung von DME. (Fotos: Fraunhofer ISE)

Für die Energiesicherheit und die Erreichung der Klimaschutzziele wird Deutschland in Zukunft grosse Mengen an Wasserstoff importieren. Ein aussichtsreicher Energieträger für Wasserstoff und dessen Derivate ist das umweltfreundliche, ungiftige, effiziente und wirtschaftlich attraktive Gas Dimethylether (DME). Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat ein neues, besonders energiesparendes Synthese-Verfahren zu dessen Herstellung entwickelt, das zum Gamechanger der DME-Produktion und somit der Wasserstoffwirtschaft werden kann.


Quelle: Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE)


»Dimethylether ist der hidden Champion der Wasserstoffwirtschaft, nicht nur weil er eine deutlich höhere volumetrische Energiedichte als das bisher meistens verwendete Ammoniak aufweist und damit ein idealer Kandidat für den Import ist. Er ist zudem in Bereichen wie der Chemieindustrie und dem Transportsektor als Plattformmolekül eine erneuerbare Alternative für fossile Ausgangsstoffe«, erklärt Dr. Elias Frei, Bereichsleiter Wasserstoff am Fraunhofer ISE.

Das Institut will daher in einem neuen Leitthema gemeinsam mit der Industrie neue DME-Anwendungen und Marktentwicklungen vorantreiben, die durch aktuelle Forschungsergebnisse ermöglicht werden.

Der DME-Markt, der aktuell bereits mehr als 5 Mio Tonnen/Jahr umfasst, wird aufgrund der neuen Anwendungen (z.B. Zumischung zu fossilem Liquid Petroleum Gas (Autogas) und Plattformmolekül für Kraftstoffe) um ein Vielfaches wachsen. »Der globale LPG-Markt umfasst etwa 200 Millionen Tonnen pro Jahr. Hinzu kommt unter anderem der Markt zur Herstellung von Sustainable Aviation Fuels, der für das Jahr 2050 auf bis 400 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt wird. Dies zeigt das enorme Potenzial von DME«, erläutert Dr. Achim Schaadt, Abteilungsleiter Nachhaltige Syntheseprodukte.

 

Übersichtsgrafik
Übersichtsgrafik zu DME-Herstellung, Syntheseproduktion und Anwendungen. (Infografik: Fraunhofer ISE)

Neues Verfahren revolutioniert Herstellung

DME ist kein unbekanntes Gas: Vielen ist es als Treibgas in Deodorants bekannt, auch als Lösungs- und Kühlmittel wird es bereits eingesetzt. Die Herstellung von DME erfolgt aktuell jedoch über ein aufwändiges und energieintensives Verfahren, was die Gesamteffizienz der Umwandlung von erneuerbarer Energie in DME reduziert. Hier setzt das am Fraunhofer ISE entwickelte INDIGO-Verfahren an: durch gleichzeitig stattfindende Synthese und Destillation wird der Prozess enorm vereinfacht, was die Effizienz steigert und die Kosten gegenüber dem konventionellen DME-Syntheseverfahren um mehr als ein Viertel senkt.

Der Energiebedarf des Verfahrens ist geringer, da die durch die Reaktion freigesetzte Wärme direkt in die Destillationskolonne einfliesst – als energiearmes Verfahren ist es so insbesondere für abgelegene Regionen geeignet. Im Importland kann DME dann z.B. in einer Dampfreformierung mit einer maximalen Ausbeute zu Wasserstoff zurückgespalten werden. Im Forschungsprojekt »Power-to-MEDME« zeigte sich, dass in allen sechs analysierten Fällen das INDIGO-Verfahren günstiger ist als die konventionelle Referenz. Für die Simulation der Prozesse und der Prozesskette kam das Tool XX zum Einsatz. Somit konnte der dynamische teillastfähige Betrieb der Methanolanlage modelliert werden, um so praxisnahe Betriebsdaten unter fluktuierenden Lastbedingungen zu erhalten.

 

Konzentrierende Solarkraftwerke
Konzentrierende Solarkraftwerke liefern den Grünstrom für die Methanol- und DME-Herstellung im Norden von Chile.

DME-Produktion für Chile geplant

Das internationale Forschungsprojekt »Power-to-MEDME« will mit Hilfe des neuen INDIGO-Verfahrens das Potenzial Chiles für die Produktion CO2-neutraler Energieträger erschliessen. Dafür wurden in diesem Projekt die Voraussetzungen geschaffen. Der nächste Schritt ist die Errichtung einer Pilotanlage zur Produktion von grünem Methanol und DME im Megawatt-Bereich.

 

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