Minergie-Netto-Null

Für Minergie-Gebäude, die eine Netto-Null-Bilanz erzielen, gibt es ab sofort den Minergie-Netto-Null-Standard. Das neue Label soll einen gewichtigen Beitrag leisten, die nationalen Netto-Null-Ziele bis 2050 zu erreichen.


Quelle: Minergie, Redaktionelle Bearbeitung: Manuel Fischer, Phase5


Die Schweiz hat sich verpflichtet, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Im Bausektor bleibt jedoch eine zentrale Frage offen: Was braucht es, damit ein Gebäude über seinen Lebenszyklus hinweg die Zielmarke Netto-Null einhält? Bauherrschaften, Planende, Gemeinden und viele Unternehmen haben ehrgeizige Klimaziele, aber oft fehlen ihnen konkrete Vorgaben, um diese zu erreichen.

«Mit Minergie-Netto-Null will Minergie einen transparenten und glaubwürdigen Rahmen hierzu zu schaffen, deren Klimabilanz über den gesamten Lebenszyklus hinweg wirklich bei null liegt», erklärte der Luzerner Regierungsrat und Präsident von Minergie Fabian Peter in seiner digitalen Grussbotschaft: «Ein zertifizierbarer Netto-Null-Standard bietet Planungssicherheit für die öffentliche Hand und bietet eine strukturierte Vorgehensweise für private Bauherrschaften». Nicht zuletzt schafft auch das neue Klima- und Innovationsgesetz (KIG) eine Basis, da hier erstmals die negativen Emissionstechnologien explizit genannt werden. Patrick Kutschera, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie (BFE), lobte den Verein Minergie, der auch in diesem Fall mit kreativen Lösungsansätzen eine Vorreiterrolle spiele.

Machbarkeit, Rückverfolgbarkeit, Transparenz

Das Vermeiden von CO2-Emissionen ist immer einfacher als das physikalische Entfernen aus der Atmosphäre, wie Cyril Brunner, Professor für Klimapolitik am Lancierungsanlass in Zürich, erklärte.

Anna Lehner, Expertin auf dem Gebiet der dauerhaften CO2-Speicherung, nannte die bislang bekannten, verlässlichen Entnahmetechnologien wie Pflanzenkohle, Aufforstung, beschleunigte Verwitterung, CCS (Carbon Capture and Storage) usw. Lehner skizzierte die Notwendigkeit, eine digitale Ende-zu-Ende-Infrastruktur aufzubauen, um die dauerhafte CO2-Entnahme transparent und rückverfolgbar zu machen. Eine Voraussetzung, damit die Zertifizierung realer Bauvorhaben nach dem ambitiösen Label-Richtlinien gelingt.

Drei Methoden für ein Label

Aber nun zur Definition des neuen Standards: Ein Minergie-Netto-Null-Gebäude ist ein neu erstelltes oder saniertes Gebäude, das über seinen definierten Lebenszyklus von 60 Jahren sehr geringe Treibhausgasemissionen (THGE) verursacht. Nach der Ermittlung der Lebenszyklusemissionen wird der im Gebäude gespeicherte Kohlenstoff von den verbleibenden Emissionen abgezogen und reduziert somit die Treibhausgasbilanz. Die restlichen Emissionen werden durch den Einsatz geprüfter Negativemissionszertifikate ausgeglichen, sodass insgesamt eine Netto-Null-Bilanz im Sinne des Klimagesetzes erreicht wird.

Beim Neubau basiert das Label auf einem Minergie-P/-A-ECO-Standard, für Sanierungen genügt der Minergie-Standard. Das Label kann zudem mit dem SNBS-Hochbau kombiniert werden. Das Produkt folgt einem dreiphasigen Vorgehen, das bereits in der Projektkonzeption beginnt:

  • CO2 vermeiden – Emissionen, wo immer möglich, reduzieren
  • Speichern – Kohlenstoff im Gebäude binden
  • Ausgleichen – Ausgleich der restlichen Emissionen durch geprüfte Negativemissionszertifikate.

Nach dem Erwerb der entsprechenden Negativemissionszertifikate wird das Minergie-Netto-Null-Zertifikat ausgestellt. Das Gebäude verfügt dann für die nächsten 60 Betriebsjahre über eine CO2-neutrale Bilanz.

 

 

«Wir sind strenger als die Gesetze»

Minergie-Geschäftsführer Andreas Meyer Primavesi umriss am Anlass die durchaus kniffligen Anforderungen, die sich bei der Durchführung der Massnahmen bei den drei Methoden «Vermeiden», «Speicherung» und «Ausgleich» ergeben. Dennoch ist er optimistisch: «Wir bilanzieren die grauen Emissionen mit. Wir sind um Faktoren strenger als die in Kraft tretenden Gesetze. Und interessanterweise ist der Standard dennoch machbar und finanziell tragbar», so Andreas Meyer Primavesi.

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