Von der der anfänglichen Euphorie wie ein Kind im Spielzeugladen zur Ernüchterung vor lauter KI-Tools. Wer sieht da noch durch? Dennoch zeichnete Referent und KI-Hardcore-User Bastian Strauss, einer der Fachreferenten an der Expo Plus von Meier Tobler, ein facettenreiches Bild, wie vielfältig KI-Tools auch im beruflichen Alltag – gerade auch im Baugewerbe – Nutzen bringen.
Text: Manuel Fischer; Red. Bearbeitung: Phase5
Wo geht es in nächster Zukunft lang? Das wollen viele wissen, wenn neue Technologien das Potenzial haben, das Alltagsgeschäft umzukrempeln. Mit Spannung wurde deshalb das Referat «KI im Handwerk» erwartet. Referent Bastian Strauss betrat die Bühne, während eine Folie sichtbar war, die er scherzhaft als «kleine Warnung» bezeichnet. Strauss beschreibt sich als «ehemaliger Betonmischer, der von der Baustelle zum Megabyte» kam.
Zu Beginn des Referats visualisierte er die aktuell globale Nutzung «künstlicher Intelligenz» (KI)anhand einer Grafik, in der jeder Punkt 3,2 Mio. Menschen repräsentiert. Graue Punkte bedeutet «Unerfahren damit»; grüne Punkte stehen für Menschen, die mit kostenlosen KI-Modellen wie ChatGPT schon experimentiert haben, gelbe Punkte eine kleine, aber signifikante Gruppe, die für KI-Dienste bezahlt, rote Punkte Personen, die KI zum Programmieren nutzen. Im Publikum des Referenten überwog – nach Hand aufstrecken - Grün. Strauss sprach zu Beginn von seiner anfänglichen Euphorie – wie ein Kind im Spielzeugladen – die, einer Ernüchterung gewichen sei – im Dschungel der Tools gelandet. Er vergleicht die exponentielle Beschleunigung der technischen Entwicklung mit dem Spurt eines Säbelzahntigers auf einer Distanz von 100 Metern zum Beobachter, währenddessen dieser beobachtende Mensch von einer linearen Ablauf ausgeht mit Einkalkulierung einer gewissen Reaktionszeit.
Töne, Bilder, Antworten - subito
KI-Tools können schon brutal viel. Das Vision-Modell von ChatGPT beschreibt einen Bild-Inhalt korrekt, eine andere KI komponiert Kinderlieder, ein weiteres Tool produziert fotorealistische Bilder einer Stehlampe auf der Basis einer Kinderzeichnung.
Für den professionellen Bereich wird es spannend, wenn mit einer bildgenerierenden KI Frontansichten von zu renovierenden Häusern generiert, welches man Kunden zeigen kann. Schwupps – und schon wird ein Schrägdach zum Mansardwalmdach und – nochmals Schwupps – gibt es die Variante mit Photovoltaikanlage zu sehen. Die KI erkennt selbst logische Konsequenzen bei der optischen Veränderung am Bau. Bastian Strauss gibt zu bedenken: «Die Qualität des Ergebnisses hängt von der Qualität des Inputs ab». Ein Beispiel lieferte er ab mit einem witzigen KI-Chatverlauf.
Profi-Anwendungen
Handwerksbetriebe könnten mit der differenzierten Anwendung von KI-Tools ihren betrieblichen Alltag verwenden, ist Bastian Strauss überzeugt. Er demonstriert dies, indem er via Prompt die KI die Rolle eines «Experten für Personalgewinnung im Handwerk» erlernen lässt. Mit Gemini Pro lässt sich ein Baukalkulator die kritischen Punkte einer Ausschreibung analysieren und entdeckt nicht vergütete Zusatzleistungen. Noch erstaunlicher: Mit einem Chatbot von Google, das aus hochgeladene Dokumente beschränkt ist, lassen sich Quervergleiche unterschiedlicher Quellen erstellen. Strauss erläutert dies anhand der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn), die sich in den Fassungen von 2014 und 2025 wesentlich unterscheiden. Auf Anfrage liefert die KI die Ergebnisse in Form von Tabellen, Grafiken oder sogar als hörbarer Podcast (Dialog zwischen 2 Stimmen).
Ein ähnlicher synoptischer Vergleich lässt sich zwischen der schweizerischen und deutschen Gesetzgebung erzielen. Was sagt das deutsche Gebäudeenergiegesetz (GEG) im Vergleich zu den MuKEn zu Fragen a) des Heizungstausches und Erneuerbare Energien, zu b) Sanierungspflichten für bestehende Gebäudehüllen, zur c) Pflicht zur Eigenstromerzeugung zur d) Ressourceneffizienz bei der Gebäudeerstellung und e) zur Gebäudeautomation und Betriebsoptimierung.
Schliesslich – als Schlussbouquet – präsentierte Bastian Strauss das Erstellen eines Baustellenprotokolls, indem verschiedene KI-Tools interagieren. Der Ausgangspunkt verblüfft. Der polnische Bauleiter namens Piotr – der deutschen Sprache überhaupt nicht mächtig – verschickt eine WhatsApp-Sprachnachricht auf Polnisch. Eine Kettenreakton wird ausgelöst: Zuerst geschieht via Transkriptions-KI die schriftliche Texterfassung, dananch kommt via DeepL die Übersetzung ins Deutsche. ChatGPT extrahiert danach aus dem Text ein strukturiertes Baustellenprotokoll. Die Daten werden in eine Google-Docs-Vorlage abgefüllt. Eine weitere KI-Instanz formuliert eine passende E-Mail und schon erhalten die Baubeteiligten das erwartete Protokoll.
Qualität des Promptens
Der Referent lässt seine Botschaft ausklingen mit einigen wichtigen Schlussfolgerungen: Die KI-Revolution ist real und erreicht uns mit exponentiellem Schwung. Die Qualität des Promptings (Inputs) bestimmt die Qualität des KI-Outputs. KI denkt kontextuell, kann also Kreatives leisten auch bei unvollständigen Informationen. KI kann als praktisches Werkzeug für den betrieblichen Alltag dienen. Gewisse Tools sind in der Lage, verschiedene KI-Anwendungen zu intelligenten Workflows zu verbinden. Negative Aspekte sollen dabei nicht unerwähnt bleiben: Mit der Verwendung von Bild- und Tongeneratoren tauchen Fragen hinsichtlich Urheberrecht, Manipulation und Sicherheitsrisiken auf.
Impressum
Textquelle: Manuel Fischer
Bildquelle: Manuel Fischer
Bearbeitung durch: Redaktion Phase 5
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