Eine gleichmässige Warmwasserzirkulation gilt als zentrale Voraussetzung für Hygiene, Energieeffizienz und Komfort in Gebäuden. Digitale Ventillösungen ermöglichen es heute, Temperaturverteilungen präzise zu steuern, kontinuierlich zu überwachen und regelkonform zu dokumentieren.


Redaktionelle Bearbeitung: Phase5


In vielen Bestands- und Neubauten bleibt die Warmwasserverteilung eine technische Herausforderung. Lange Leitungswege, unterschiedliche Entnahmemuster und unzureichend abgeglichene Zirkulationsstränge führen dazu, dass Temperaturen im System stark schwanken. Kritisch wird dies vor allem im Bereich zwischen 25 °C und 50 °C. In diesem Temperaturfenster finden Legionellen und andere Bakterien ideale Wachstumsbedingungen.

Entsprechend streng sind die regulatorischen Anforderungen: In zahlreichen Ländern schreiben Normen und Richtlinien Warmwassertemperaturen von mindestens 55 °C in der Zirkulation vor. Allein in Deutschland wird die Zahl der Legionelleninfektionen auf bis zu 30’000 Fälle pro Jahr geschätzt. Die Warmwasserhygiene ist damit nicht nur ein technisches, sondern auch ein gesundheitliches Thema.

Digitaler hydraulischer Abgleich als präventiver Ansatz

Der digitale hydraulische Abgleich setzt nicht bei Symptomen, sondern an der Ursache an. Statt pauschaler Einstellungen erfolgt die Steuerung der Warmwasserzirkulation auf Basis kontinuierlich erfasster Temperaturdaten. Digitale Ventile regeln den Volumenstrom automatisch so, dass in allen Zirkulationsleitungen konstante, normkonforme Temperaturen erreicht werden.

Im Unterschied zu konventionellen Verfahren reagiert der temperaturbasierte hydraulische Abgleich dynamisch auf veränderte Betriebsbedingungen. Stagnation, Überversorgung einzelner Stränge oder unnötige Wärmeverluste lassen sich so dauerhaft vermeiden. Das reduziert das Risiko mikrobiologischer Belastungen im gesamten Gebäude.

Warmwasserhygiene messbar und nachweisbar machen

Ein wesentlicher Vorteil digitaler Systeme liegt in der automatisierten Temperaturdokumentation. Alle relevanten Messwerte werden kontinuierlich erfasst, gespeichert und bei Bedarf ausgewertet. Damit lässt sich die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben nicht nur sicherstellen, sondern auch lückenlos belegen.

Für Betreiber, Facility Manager und Planer entsteht dadurch eine neue Transparenz im Warmwassersystem. Automatische Funktionsprüfungen, Wartungszyklen sowie Alarmmeldungen bei Abweichungen unterstützen einen sicheren und regelkonformen Betrieb, ohne zusätzlichen manuellen Aufwand.

Energieeffizienz durch präzise Warmwasserzirkulation

Neben der Hygiene gewinnt die Energieeffizienz zunehmend an Bedeutung. Ungeregelte Warmwasserzirkulationen verursachen hohe Wärmeverluste und unnötige Laufzeiten von Pumpen und Wärmeerzeugern. Ein digital optimierter hydraulischer Abgleich minimiert diese Verluste, indem er die Zirkulation exakt auf den tatsächlichen Bedarf abstimmt.

In der Praxis lassen sich dadurch spürbare Energieeinsparungen erzielen, insbesondere bei der Warmwasserbereitung und im Zirkulationsbetrieb. Gleichzeitig steigt der Nutzerkomfort: Warmwasser steht an allen Entnahmestellen schneller und mit stabiler Temperatur zur Verfügung, etwa in Duschen oder Waschräumen.

Integration in Gebäudeautomation und Bestandsanlagen

Digitale Lösungen für den hydraulischen Abgleich sind heute sowohl für Neubauten als auch für die Nachrüstung bestehender Gebäude konzipiert. Typische Einsatzbereiche sind Mehrfamilienhäuser, Hotels, Spitäler, Pflegeeinrichtungen sowie öffentliche Gebäude mit hohen Anforderungen an Warmwasserhygiene und Betriebssicherheit.

Dank standardisierter Schnittstellen lassen sich die Systeme in bestehende Gebäudeautomations- und Gebäudemanagementsysteme integrieren. Die Parametrierung und Überwachung erfolgt je nach Ausführung über mobile Endgeräte oder zentrale Leittechnik. Vorkonfektionierte Komponenten und Plug-and-Play-Konzepte reduzieren den Installationsaufwand deutlich.

Digitale Warmwassersysteme als Baustein nachhaltiger Gebäudetechnik

Der digitale hydraulische Abgleich entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Gebäudetechnik. Er verbindet Hygiene, Energieeffizienz und Betriebssicherheit in einem automatisierten System und unterstützt Betreiber bei der Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

Mit Blick auf steigende Energiepreise, strengere Hygienevorgaben und den wachsenden Stellenwert nachhaltiger Gebäudekonzepte gewinnt diese Technologie weiter an Relevanz – insbesondere dort, wo Warmwasserverteilung bislang als blinder Fleck der technischen Gebäudeausrüstung galt.

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