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Vom Alarm zur Prognose

Das Brandlabor testet die Brandmelder nach folgenden Normen: EN 54–5 (thermisch), EN 54–7 (optisch) und EN 54–29 (für Kombinationsmelder).

Brandschutz wandelt sich vom reaktiven Alarm zum proaktiven Sicherheitsservice. Vernetzte Systeme, Cloud-Technologien und künstliche Intelligenz erkennen Risiken frühzeitig und senken gleichzeitig die Betriebskosten.


Text: René Senn, Manuel Fischer, Fotos: Siemens Schweiz AG


Siemens wandelt sein Brandschutzgeschäft vom Verkauf von Hardware hin zu einem datenbasierten, über den gesamten Lebenszyklus verwalteten Servicegeschäft. Die Einführung der neuen Melderlinie Sinteso Nova/Cerberus Nova bildet die technische Grundlage für diesen Wandel. Die eigentliche Transformation findet jedoch «jenseits des Geräts» statt – über die cloudbasierte Plattform Building X.

Anlagetechnischer Brandschutz war noch vor Jahrzehnten als isoliertes, reaktives System konzipiert worden. Heutzutage sind vernetzte, vorausschauende Systeme gefordert, die «menschenzentrierte autonome Gebäude» ermöglichen. Solche Gebäude erkennen Bedürfnisse frühzeitig, reduzieren Falschalarme und senken die Betriebskosten. Nicht zuletzt aufgrund des sich verschärfenden Arbeitskräftemangels sind Fehlalarme und deren Folgen kostentreibend fürs Facility Management und darüber hinaus für weitere Akteure.

Der Erfolg einer zukunftsweisenden Strategie hängt davon ab, ob Siemens KI und Datenanalysen in grossem Massstab nutzbar machen kann. Damit wird aus periodischer Wartung ein vorausschauender Service, der über den ursprünglichen Hardwareverkauf hinaus einen konkreten Mehrwert bietet. Die Annahme dahinter: Dieser serviceorientierte, datengetriebene Ansatz schafft einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil. Kunden werden in ein Ökosystem eingebunden, das ihre ursprüngliche Investition schützt und gleichzeitig laufende Verbesserungen ermöglicht.

Die neue Brandmelderlinie Sinteso Nova lässt sich in die Cloud-Plattform Building X integrieren.

Ausgangslage – getrennte und reaktive Systeme

Jürg Herzog, Landesleiter von Siemens Smart Infrastructure Schweiz, beschrieb an einem internationalen Fachmedienanlass die Entwicklung der Gebäudeleittechnik über die letzten 15 Jahre: Zu Beginn waren Brandschutz, Sicherheit und Gebäudeautomation (im engeren Sinne) ohne echte Verbindung untereinander geregelt. Der Ablauf war linear und einfach: Erkennen, Alarmieren, Reagieren.

Dieses Modell funktionierte zwar, war aber ineffizient, fehleranfällig und wenig intelligent. Auch frühe «smarte» Gebäude mit regelbasierter Automation – zum Beispiel Aufzüge, die im Brandfall ins Erdgeschoss fahren, oder Storen, die geöffnet werden – reagierten lediglich auf ein einzelnes Ereignis. Sie verstanden den grösseren Zusammenhang nicht.

IoT-fähige Geräte

Die Lancierung der Melderlinie Sinteso und Cerberus Nova mit Einbettung in die Cloud-Plattform Building X ist als Vorstoss in ein neues Kapitel der Brandmeldesystematik zu verstehen. Der klassische Brandschutz transformiert sich so in einen datenbasierten und proaktiven Ansatz.

Das neue Angebot erhöht die Betriebssicherheit: Der Wechsel führt weg von periodischen manuellen Kontrollen hin zu einer automatisierten, datenbasierten Überwachung. Die Brandmelder testen überdies ihre Leistungsfähigkeit quasi rund um die Uhr mit Selbsttests und reduzieren so mögliche Systemausfallzeiten.

Gebäude und deren Brandmeldezentralen sind auf eine lange Betriebsdauer ausgelegt. Die neue Brandmelder-Linie lässt sich nach dem Plug-and-Play-Prinzip in bestehende Infrastrukturen integrieren. Das schützt die Investitionen der Kunden und senkt die Einstiegshürde für die neue Gerätegeneration.

Die Geräte sind IoT-fähig und liefern Daten in die Cloud. Dadurch werden Ferndiagnosen, vorausschauende Wartung und datenbasierte digitale Services über Anwendungen wie die Building X Fire Apps möglich.

Von reaktiv zu vorausschauend

Das System wartet nicht mehr nur auf einen Alarm, sondern erkennt Bedürfnisse und potenzielle Probleme im Voraus. Ein KI-Agent könnte zum Beispiel subtile Veränderungen in der Nutzung eines Gebäudes erkennen – etwa wenn eine Bürofläche neu für Maschinen genutzt wird. Dadurch könnte das Risiko von Falschalarmen steigen.

Digitale Werkzeuge wie die Building X Fire Connection App verändern die Reaktion auf Ereignisse. Ein Facility Manager kann einen Alarm auf dem Smartphone erhalten, wird direkt zum betroffenen Ort geführt, kann den Vorfall überprüfen – zum Beispiel ein verbranntes Sandwich – und die Anlage innerhalb weniger Minuten zurücksetzen. So lassen sich kostspielige und störende Falschevakuationen sowie unnötige Feuerwehreinsätze vermeiden.

Anwendungsbereiche

Es liegt auf der Hand, dass die neue Brandmelder-Generation mehrere Zusatznutzen für zahlreiche Branchen bietet. In Spitälern ist der Faktor Zeit bei allen Sicherheitsfragen matchentscheidend. Eine eingebaute Systemlösung zur Echtzeiterkennung des Raucheintritts ermöglicht den Betreibern, unmittelbar eingreifen zu können. Andererseits vereitelt eine Kombination aus optischer Mehrwellenlängen-Sensorik mit dualer thermischer Detektion das Einleiten unnötiger Evakuierungsmassnahmen.

Rechenzentren sehen sich aufgrund der hohen Dichte elektrischer Systeme und der Notwendigkeit eines unterbrechungsfreien Betriebs mit besonderen Anforderungen an den Brandschutz konfrontiert. Dazu zählen etwa Überhitzung und elektrische Fehlfunktionen.

Automatisierte Selbst-Checks, cloudbasierte Überwachung und vorausschauende Wartung ermöglichen es Facility-Teams, schnell und proaktiv zu reagieren.

Liegenschaftsbewirtschafter von gewerblichen Immobilien oder Hochschulen betreiben häufig mehrere, räumlich verteilte Gebäude. Ein zentralisiertes Brandschutzmanagement ist deshalb besonders essenziell. Die Brandmelder der neuesten Generation unterstützen Facility-Teams dabei, über alle Standorte hinweg einheitliche Schutzstandards sicherzustellen. Auch hier gilt: Anlagen kontinuierlich überwachen, das Risiko unnötiger Betriebsunterbrechungen reduzieren, eine proaktive Wartung unterstützen.

Die Brandmelder der neuesten Generation sind übrigens «Swiss made» und werden sowohl in Zug mit höchstem Automatisierungsgrad hergestellt und auch getestet.

 

Brandschutz (Dossier)

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Text: René Senn, Manuel Fischer, Fotos: Siemens Schweiz AG

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Veröffentlicht am: 19.08.2026

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